Handy-Schnüffelpläne in Pinneberg gestoppt, jetzt muss Eckernförde folgen!

(cc by: steffireichert)

Piraten wirken

Nach Kritik der Piraten und ihnen folgend auch der FDP und der SPD hat Pinneberg sein Vorhaben vorerst gestoppt, für Marketingzwecke die Handys von Fußgängern erfassen zu wollen. Doch Eckernförde, wo ein vergleichbares System schon seit November 2016 im Einsatz ist, lässt bisher jede Reaktion vermissen.

Der Pinneberger Kreistagsabgeordnete Sven Lange (Piratenpartei): „Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Eine anonyme Zählung ohne Erfassung der Handykennungen ist technisch durchaus machbar, wird bisher nur noch nicht angeboten. Wir sind seit letzter Woche mit der Fa. Vitracom in der Diskussion über eine wirksame, sofortige Anonymisierung und haben dem Unternehmen den Vorschlag gemacht, eine entsprechend überarbeitete Technik im allerseitigen Interesse mit dem Gütesiegel des Landesdatenschutzzentrums zertifizieren zu lassen. Die Bundesdatenschutzbeauftragte halten wir für gar nicht zuständig. Sie braucht deshalb nicht – wie von der SPD gefordert – eingeschaltet werden.“

Thomas Hooge

Die US-basierte Fa. Crosscan, deren System die Stadt Eckernförde nutzt, verweigert sich demgegenüber einer Kommunikation mit der Piratenpartei. Eckernförde erfasst Passantenhandys an sieben Punkten mit einem Radius von je 500 Metern. Auf der Herstellerwebsite heißt es: „Durch WLAN Tracking können Sie wiederkehrende Kunden, Passanten, den Einkaufsverlauf Ihrer Kunden während des gesamten Tages als auch die Aufenthaltsdauer im Geschäft genau bestimmen.“ Das Landesdatenschutzzentrum hat nun die Stadtmarketinggesellschaft mit kritischen Fragen konfrontiert.

Pirat und Freifunker Thomas Hooge: „Wenn Firmen wie Crosscan gleichzeitig mit Anonymisierung und Wiedererkennung werben, zeigt es mir, dass entweder keine Kompetenz vorhanden ist oder wir für dumm verkauft werden sollen. Das Verfahren zur Verkürzung der Gerätekennungen ist keine wirksame Anonymisierung. Deshalb ist die Handy-Schnüffelei von Eckernförder Besuchern, Anwohnern und Beschäftigten datenschutzwidrig. Sie unterminiert das Vertrauen der Menschen in WLAN-Kommunikation und schädigt damit Projekte wie beispielsweise Freifunk, welche sich sehr für die Datensicherheit ihrer Nutzer einsetzen.“

 

Video der Firma Crosscan zu ihrem Produkt: https://www.youtube.com/watch?v=Mb2cfAYEuhk