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Sei kein Schaf, geh wählen!

Sei kein Schaf geh wählen.

icon_wahlenEs gab mal eine Zeit in der Bundesrepublik Deutschland, da lag die Wahlbeteiligung bei 90%. Das war in der Ära Brandt und Schmidt in den siebziger Jahren, und sicherlich war die hohe Wahlbeteiligung auch den Themen geschuldet, die die Menschen damals beschäftigten: Der RAF-Terror, die Ostpolitik, der Nato-Doppelbeschluss oder die Ölkrise, um nur einige zu nennen.

Heute verzichten viele Menschen auf ihr Wahlrecht. Das mag damit zusammenhängen, dass das Vertrauen in die Politik völlig abhandengekommen ist. Wir müssen zusehen, wie unsere gewählten Volksvertreter im Parlament gegen ihre Überzeugungen abstimmen – zum Beispiel beim Betreuungsgeld. Des Weiteren müssen wir zusehen, wie sie über Gesetzesentwürfe abstimmen, deren Inhalt sie nicht verstanden haben – etwa während der Eurokrise.

Viele Menschen verzichten aber auch auf ihr Wahlrecht, weil sie meinen: Wählen ändert doch sowieso nichts! Es ist doch egal, ob ich alle paar Jahre ein Kreuz mache oder nicht. Das sagten sich bei der letzten Bundestagswahl fast 30%, und diesmal wird es vermutlich nicht anders sein. Besonders erschreckend ist die Zahl der Nichtwähler in den jungen Altersgruppen: Unter den 18 bis 30jährigen liegt die Nichtwählerquote bei rund 40%. [1]

Das Ganze hat aber einen Haken: Demokratie lebt davon, dass die Menschen mitmachen. Unseren Politikern in Brüssel, Berlin oder auch in den kommunalen Parlamenten ist es dagegen völlig egal, ob wir wählen gehen oder nicht. Es interessiert sie schlichtweg nicht. Politiker können mit einer niedrigen Wahlbeteiligung gut leben. Aber unsere Demokratie kann es nicht!

Ich frage mich, wie niedrig die Wahlbeteiligung noch werden muss, damit wir alle endlich merken, dass sich grundlegend etwas ändern muss. Und ich frage mich gleichzeitig, wo bloß der Wille zur gelebten Demokratie geblieben ist.

Es ist fast fünfundzwanzig Jahre her, dass die Menschen in der ehemaligen DDR zu Tausenden auf die Straße gegangen sind. Dieser Protest hat eine Mauer eingerissen. Seitdem haben wir es uns in unserer tollen, inzwischen kaum noch vorhandenen Demokratie bequem gemacht und schaffen es nicht einmal, alle vier oder fünf Jahre den Hintern hochzukriegen, um ein Kreuz zu machen. Ist uns doch egal, wer uns regiert. Ist eh das Gleiche, wen man wählt.

Während wir den Arsch nicht hochkriegen, bringen sich jedes Jahr weltweit tausende Menschen für den Kampf um Demokratie in Gefahr. Viele bezahlen diesen Kampf mit dem Leben, während wir völlig lethargisch auf dem Sofa hocken und uns von Talkshows, Daily Soaps und Werbesendungen berieseln lassen.

Allein die Achtung vor den Menschen, die für demokratische Verhältnisse kämpfen, sollte uns an die Urne treiben. Also hebt Euren Arsch vom Sofa und geht wählen!

Übrigens: Nichtwählen ist kein Protest. Mit der Wahl einer kleinen Partei kürzt Du aktiv die Parteienfinanzierung der großen. DAS ist Protest!

[1] Spiegel vom 16.9.2013, S. 21.

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