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BER & Stuttgart 21 & Elbdisharmonie & Nürburgring

Grossprojekte

Nächster Halt: Erlebniswelt Großbaustellen

icons_bau-failsDie Liste der Großprojekte in Deutschland ist lang: Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Elbphilarmonie, BND-Zentrale, Nürburgring….
…sie alle haben eines gemeinsam: Sie entwickelten sich von Anfang an zu totalen Debakeln. Viele verantwortliche Politiker aller regierenden Parteien blamierten sich. Und die Kosten explodierten.

Das liegt vielleicht in der Natur der Sache, wenn immer wieder Politiker mit der Planung betraut werden, und nicht die Menschen, die etwas davon verstehen. Und wenn dann wieder mal ein Großprojekt völlig aus dem Ruder läuft, sind alle anderen Schuld – nur nicht die Verantwortlichen.

Schauen wir uns als erstes einmal die Bauzeiten an:

  • Berliner Flughafen BER (SPD)
    Ursprünglicher Eröffnungstermin: Ende Oktober 2011
    07.01.2013: Eröffnung verschoben auf unbestimmte Zeit
  • Stuttgart 21 (CDU/FDP)
    Ursprünglicher Eröffnungstermin: 2019
    Aktuell angekündigter Eröffnungstermin: Ende 2022
  • Hamburger Elbphilharmonie (CDU??? oder doch SPD in HH)
    Ursprünglicher Eröffnungstermin: 2010
    Aktuell angekündigter Eröffnungstermin: Oktober 2016
  • Freizeitpark Nürburgring (SPD)
    Ursprünglicher Eröffnungstermin: 2009
    Tatsächlicher Eröffnungstermin: gar nicht

Na ja, Planung ist nicht ganz einfach. Vor allem dann nicht, wenn immer wieder neue Wünsche dazukommen und somit Pläne verändert werden müssen.

Schauen wir uns als nächstes die Kosten an:

  • Berliner Flughafen BER
    Geplante Kosten 2004: 1,7 Milliarden Euro
    Angekündigte Kosten 2012: 4,3 Milliarden Euro
  • Stuttgart 21
    Geplante Kosten 1995: 2,46 Milliarden Euro
    Kosten bis 2014: die Bahn spricht von 5,987 Milliarden Euro, während Presseberichte von bis zu 6,8 Milliarden Euro ausgehen.
  • Hamburger Elbphilharmonie
    Kosten 2005: 77 Millionen Euro
    Aktuell angekündigte Kosten 2013: 789 Millionen Euro
  • Freizeitpark Nürburgring
    Kosten bis zur Insolvenz: 330 Millionen Euro

Und wir Steuerzahler blechen – was bleibt uns auch anderes übrig?!?

Nun kann man bei einem neuen Bahnhof oder bei einem neuen Flughafen noch ein bisschen Verständnis dafür haben, dass es Planungsunsicherheiten gibt und dass es eventuell teurer werden könnte. Das geht uns im Privaten nicht anders: Renovierungen dauern meist länger als geplant, und meist kosten sie auch mehr als anfangs gedacht.

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zu Großprojekten wie eben dem Berliner Flughafen oder der Elphilharmonie: Wir sind selbst betroffen. Wir nutzen unser eigenes Geld. Wir selbst haben Interesse am schnellen und günstigen Abschluss der Arbeiten.

Aber auch unseren Politikern ist nicht ganz egal, wann ein Projekt fertig wird. So entsteht regelmäßig Zeitdruck. Dieser wirkt auf die ausführenden Firmen – und es kommt zu Pfusch. So müssen anschließend, erneut für viel Geld, die Mängel beseitigt werden.

Damit wären wir in Hamburg bei der Elbphilharmonie, die der Spiegel in „Elbdisharmonie“ umgetauft hat: Die Kosten sind explodiert, und zwar um das Zehnfache. Fast 800 Millionen soll diese Prestigeobjekt nach heutigem Stand kosten. Wir werden sehen, welche Zahlen uns noch dargeboten werden.

Jedenfalls wird Geld in Beton begraben, das an anderer Stelle gut aufgehoben wäre. Immer wieder heißt es bespielsweise bei Kindertagesstätten, Schulen, Jugendeinrichtungen – kurzum – bei Bildung und Sozialem: Es ist nicht genug Geld da!

Nun ja, für Prestigeobjekte haben wir das Geld offensichtlich. Und wenn es teurer wird ist das auch nicht schlimm, denn: Ist erstmal Geld in ein Projekt geflossen, so wird es beendet. Koste es, was es wolle. Die vielen Prestigeobjekte bundesweit zeigen: Dieses Denken ist nicht auf Hamburg beschränkt. Es gilt deutschlandweit.

Kein Geld für Bildung.

Viel Geld für Prunkbauten und Schlösser. Und Luftschlösser. Da stellt sich unweigerlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Um diese einschätzen zu können, müssen die Tatsachen bekannt sein. Wir brauchen also mehr Klarheit über die Entscheidungsgrundlagen. Um Großprojekte überhaupt wieder glaubwürdig auf den Weg bringen zu können hilft nur Transparenz: Was veröffentlicht ist ermöglicht eine wirksame Kontrolle durch die Öffentlichkeit. Und was kontrolliert und nachvollzogen werden kann steigert die Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen.

Quellen:

Foto: wikipedia.de

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