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Whistleblower? Geht das auch auf Deutsch?

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Whistleblowing ist ein Schlagwort, das wir in diesen Tagen häufig hören. Viele kennen den traditionellen Kummerkasten, den Firmen, Behörden, Schulen und Vereine anbieten, damit Menschen anonym dort auf Missstände oder Fehler hinweisen können. Dies ist ein Konzept, das sich bewährt hat und eigentlich nichts anderes ist als Whistleblowing im Kleinen.

Nur liest man davon selten etwas in der Presse, weil es meist nur wenige Menschen betrifft und eher von geringem, weil lokalem Interesse ist.

Die Missstände in Krankenhäusern oder Seniorenheimen, die eine Krankenschwester oder Altenpflegerin aufdeckt, schaffen es dabei kaum ans Licht der Öffentlichkeit. Und dann sind da der Banker, der mit der Abzocke der Kunden nicht mehr leben kann und die Mitarbeiterin des Jobcenters, die sich traut, ungerechtfertigte Repressalien gegen ihre Kunden anzuprangern – sie riskiert es fristlos gekündigt zu werden.

Sie alle sind Whistleblower, die in guter Absicht und im Interesse der Öffentlichkeit darüber berichten, dass etwas falsch läuft. Sie tun das, weil sie Fehler aufzeigen wollen.Und wir sind ihnen dankbar dafür.

Das Leben riskiert

Ein großes mediales Interesse besteht immer dann, wenn Fälle aufgedeckt werden, die von nationaler oder gar internationaler Bedeutung sind. Aktuell ist es der Fall Edward Snowden.

Die aktuelle Diskussion über Überwachung und Kontrolle durch Geheimdienste geht auf Snowdens Enthüllungen zurück: Es ist keineswegs übertrieben zu sagen, dass er nicht nur seine bürgerliche Existenz aufgegeben hat. Edward Snowden hat sein Leben riskiert, um die Welt von einem gigantischen Spähprogramm in Kenntnis zu setzen.

Während Snowden sich im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhielt, bat er in zahlreichen Staaten um Asyl. Deutschland lehnte den Asylantrag ab, da das Auswärtige Amt und das Innenministerium die Voraussetzungen für seine Aufnahme nicht erfüllt sahen.

Der US-amerikanische Justizminister versicherte in der Zwischenzeit, bei einer Auslieferung drohe Edward Snowden weder Folter noch Todesstrafe.

Es ist ein Armutszeugnis, wenn eine der einflussreichsten Demokratien der Welt sich genötigt sieht, derartige Versprechungen machen zu müssen. Und es lässt tief blicken, dass Russland Edward Snowden nun Asyl gewährt.

Die Reaktionen auf die Enthüllungen zeigen nicht nur im Fall Snowden, dass die Angst vor Enttarnung, Strafverfolgung und gesellschaftlicher Ächtung berechtigt und real ist.

Erinnert euch an Bradley Manning, der über Wikileaks zahlreiche vertrauliche Dokumente des amerikanischen Militärs veröffentlichte und somit militärische Verfehlungen im zweiten Irak-Krieg öffentlich machte. Das führte nicht nur dazu, dass er zu 34 Jahren Haft verurteilt wurde, sondern die amerikanische Regierung setzte auch Wikileaks massiv unter Druck. Seitdem setzt sie alles daran, dem Wikileaks-Gründer Julian Assange habhaft zu werden.

Wir Piraten setzen uns für alle diese Menschen ein!

Menschen brauchen einen Raum, in dem sie sich vertraulich öffnen können. Für Whistleblower brauchen wir Gesetze, die sie vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen, Repressalien und Schadensersatzanforderungen ausschließen. Das Aufdecken von Missständen darf nicht als Verrat und Denunziation gelten, denn die geschützte Enthüllung ist unverzichtbar, um vergangene, gegenwärtige und zukünftige Verstöße öffentlich zu machen und zu ahnden. Jeder Journalist weiß, wie wichtig der Schutz seiner Quellen ist – warum scheint der Gesellschaft dieser Schutz wichtiger Informationszuträger weniger Wert zu sein?

Wir Piraten erachten Whistleblower als wichtiges Korrektiv für jede freie und demokratische Gesellschaft. Wir müssen uns daran erinnern, dass Whistleblowing eine Form der Zivilcourage ist! Und wir müssen uns darüber bewusst werden, dass Whistleblower unbedingt unterstützt und geschützt werden müssen.

Autoren: Kathrin Jasper, Birgitt Piepgras und Torsten Krahn

Weiterführende Informationen:

Autor: herausgeber

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