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Internet – soziale Räume ohne Rechte? Die Auswirkungen von PRISM & Co.

Sozialer Raum ohne Rechte

Icons_sozialer_raumDas Internet ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Ob Homebanking, eBay, Amazon oder Facebook. Immer mehr haben die Möglichkeiten des Internet in unserer alltägliches Leben Einzug gehalten. Viele Menschen nutzen das Netz täglich. Nicht nur für Shopping oder Homebanking, sondern auch zur sozialen Interaktion.

Öffentlichkeit

Vergleichen wir die Situation im Internet einmal mit unserem „realen“ Leben: Wir verlassen das Haus. Gehen einkaufen oder ins Restaurant. Das ist eine Situation, die vergleichbar ist mit dem Shopping oder dem „surfen“ und dem sich Umschauen im Internet. Der Einsatz von „öffentlichem“ Twitter und Facebook fällt in diese Kategorie.

Wir treffen uns in Vereinen um gemeinsam unserem Hobby zu frönen, und da ist schon ein Unterschied. Das ist nicht mehr so ganz öffentlich. Es ist sozusagen halb-öffentlich, denn wir wissen, wer dabei ist und wir achten durchaus darauf, was wir sagen und wie wir uns verhalten. Wir wissen um diese Öffentlichkeit und sind „angepasst“. Im Internet tritt eine solche Situation ein, wenn wir über Mailinglisten kommunizieren oder geschlossene Benutzergruppen nutzen.

Privatsphäre

Wir reden aber auch mit Seelsorgern, Ärzten, Steuerberatern, Rechtsanwälten und Bankangestellten und natürlich besten Freunden über ganz private Dinge. Dinge, die nur uns selbst betreffen. Dinge, die wir nicht öffentlich machen wollen. Im Internet nutzen wir hierfür direkte Nachrichten. In welcher Form auch immer – ob twitter tweet, facebook chat oder eMail.

Wir wahren unsere Privatsphäre. Wir erwarten, dass andere diese respektieren. Wie es der Seelsorger, der Arzt und der gute Freund tut. Wir vertrauen Menschen Dinge an, die wir uns von der Seele reden müssen. Und … wenn wir ganz sicher sein wollen … nutzen wir das Internet lieber gar nicht erst, sondern reden direkt mit der Person.

Das digitale Problem

An dieser Stelle müssen wir auf das Problem eingehen, welches sich im Internet ergibt und welches es uns fast unmöglich macht, es mit der realen Welt zu vergleichen: Das Internet vergisst nicht!

In der Facebook-Chronik vieler Menschen sieht man Bilder und Texte, die mehrere Jahre alt sind. Alle schön übersichtlich auf einer Seite. Selbst wenn sie von uns gelöscht werden, ist nicht sicher, ob sie nicht jemand anderes mal gespeichert und woanders im Netz verbreitet hat. Und dann sind da noch die E-Mails, die man mal verschickt hat. Wer weiß, wie lange der Empfänger diese digitalen Daten aufhebt? Wer weiß, ob er die E-Mail nicht an andere Menschen weitergeleitet hat?

Aufhebung der Privatsphäre

Spätestens durch die Veröffentlichungen von Edward Snowden haben wir gelernt, dass sich auch staatliche Stellen für all diese Daten im Internet interessieren. Daten können lange und immer länger aufbewahrt werden. Und das werden sie auch.

Ich habe ja nichts zu verbergen, sagen viele Menschen. Sie haben Ihr Einkaufsverhalten im Kopf, wenn sie das sagen. Sie meinten bestimmt nicht die Beichte des besten Freundes, dass er einen Seitensprung riskiert habe. Sie meinten bestimmt nicht das Eingeständnis des 15 jährigen Sohnes, dass Marihuana ja nicht so schlimm sei. Und ganz bestimmt meinten sie auch nicht den geplatzten Kredit für das Auto, weil der Arbeitgeber Ihnen gekündigt hat.

Doch all diese Informationen sind da draußen! Das Telefonat des Freundes mit dem Seitensprung. Das Facebook-Foto des Sohnes mit dem Joint in der Hand und die eMail vom Arbeitgeber an seinen Anwalt, ob es Probleme mit der Kündigung geben könne.

Der digitale Unterschied

All diese Informationen waren auch schon früher da draußen. Auch ohne dem Internet. Aber sie waren viel leichter vergänglich, weniger einfach zu beschaffen und deshalb den Aufwand der Suche selten wert.

Heutzutage ist das anders. Computersysteme analysieren die Daten vollautomatisch. Es wird nach Mustern gesucht. Es werden „Anomalien“ entdeckt, es werden Trigger (Schwellenwerte) verwendet, die eine Aktion auslösen können. Natürlich liest niemand alle Daten mit. Aber da sie gespeichert werden, kann man sie dann mitlesen, wenn ein Bürger aus dem Raster fällt. Rückwirkend.

Wenn er zum Beispiel überraschend nach Syrien fliegt. Wenn er mehrfach Kredite aufgenommen hat, die er nicht mehr begleichen kann. Wenn er jahrelang in die christliche Kirche ging (Sonntagmorgens ist sein Handysignal in der Nähe einer Kirche), und plötzlich findet sich das Signal in der Nähe einer Moschee.

Es geht immer um die Frage, wann Menschen aus dem Raster fallen, wann sie sich nicht mehr „normal“ verhalten. Der Fachbegriff lautet „behavior based detection“. Computersysteme sind da ganz gut darin. Doch sie werden von Menschen trainiert. Menschen, die vorgeben, was „normal“ ist und was nicht.

Digitale Privatsphäre

Eine solche Überwachung ist der Verrat jeglicher digitaler Privatsphäre. Und sie ist Realität. Denn ja, das Internet bietet soziale Räume, deren Schutzrechte durch unseren Staat vollständig ignoriert werden.

Wir Piraten fordern deshalb das Recht auf das digitale Vergessenwerden. Menschen darf die Hoheit über die eigenen Daten nicht genommen werden. Wir wollen frei entscheiden können, was mit unseren Daten passiert. Wir wollen das unsere digitale Privatsphäre respektiert wird. Du auch?

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