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Atomkraft – Wollten wir nie!

AtomkraftAtommodell

 Wir haben da ein paar Altlasten. Altlasten, die keiner haben will: Atommüll, Atommüll, Atommüll. Der strahlt – und das für viele tausend Jahre. Derzeit bunkern wir ihn in so genannten Zwischenlagern. Aber wie der Name schon sagt, sind Zwischenlager nicht dazu geeignet, den Müll für alle Zeit sicher einzulagern. Dafür sollen Endlager her, und nach denen suchen Wissenschaftler und Politiker weltweit seit Jahrzehnten.

Dabei stellt besonders die Einlagerung von mittel- und hochradioaktiven Abfällen eine große Herausforderung dar. Denn aufgrund der langen Halbwertszeiten (Plutonium-239 zum Beispiel hat eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren) muss ein Endlager gefunden werden, das auch noch in hunderttausenden von Jahren einen sicheren Ort für den Müll darstellt.

Das klingt nach völliger Utopie.

Spätestens hier wird der Wahnsinn deutlich, der uns aufgezwungen wurde: Wir produzieren radioaktiven und damit tödlichen Müll für die kommenden 5000 Generationen. Mindestens. Diese Generationen werden dafür bezahlen, dass wir Strom haben! Das alles hätte man sich mal überlegen können, BEVOR man zahlreiche Atomkraftwerke in die Weltgeschichte gepflanzt hat – und das gegen den Willen von 70% der Bevölkerung.

Aber es war noch nie die Stärke der bisherigen Politik und vieler Unternehmen, vorausschauend zu agieren – ohne ausschließlich den Profit zu berücksichtigen.  Nun stehen wir da mit 8.000 m³ hochradioaktiven Müll, der in Europa in Zwischenlagern auf die Endlagerung wartet, und jährlich werden es 280 m³ mehr. [1]

Die Asse
Oder: Wir rennen mit fliegenden Fahnen ins Desaster

In Deutschland wurde in den Jahren 1967 bis 1978 im Salzbergwerk Asse in Niedersachsen Atommüll eingelagert – mit katastrophalen Folgen.
Aufgrund der geologischen Voraussetzungen in Deutschland galt die Einlagerung in Salzstöcken damals als beste Lösung. Als Prototyp für das Endlager und zur Klärung der noch offenen technischen Fragen wurde das stillgelegte Bergwerk Asse II auserkoren. Und auch die Idee von Gorleben als Endlager war längst geboren.
Bereits zu diesem Zeitpunkt war bekannt, dass Wasser in die Asse eindringt. Es gab auch Bürger, die deshalb vor Gericht zogen, doch die Klagen wurden abgelehnt. Und das Bergwerk Asse II wurde von der Politik für trocken und geeignet für die Einlagerung von radioaktiven Abfällen erklärt.
So lud man dort munter tonnenweise Atommüll ab – gelagert in Metallfässern!

Eigentlich sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass die Kombination aus Metall, Salz und Wasser verheerend ist – und wenn es mit dem Verstand nicht weit her ist, lernt man das im Chemieunterricht in der fünften Klasse.
Politiker sind von diesem Lernprozess offenbar ausgenommen.
Findet Wasser einen Weg in ein Atommülllager, dann kommt es zwangsläufig auch wieder zum Austritt des dann radioaktiv kontaminierten Wassers aus der Lagerstätte. In der Asse dringt bereits Wasser ein. Man kann sich also an zwei Fingern abzählen, was passiert, wenn die Asse absäuft.

Wir müssen handeln!

Die Bundesregierung jedoch handelt nicht. Sie verschleppt. Dies ist in größtem Maße fahrlässig und unverantwortlich.
Der Atommüll aus der Asse muss schnellstmöglich und ohne weitere Verzögerungen geborgen werden. Die Verantwortlichen tun jedoch nichts. Nothing, niente, nada.
Wir werfen CDU und FDP die bewusste Verzögerung der Rückholung vor. Wer die Rückholung wirklich will, der muss die notwendigen Mittel freigeben und Personal einstellen. Und nicht bremsen und verantwortliche Positionen mit Gegnern der Rückholung besetzen, – wie CDU-Umweltminister Altmaier das tut.

Und die Piraten?

Wir fordern eine verantwortliche Lösung beim Umgang mit Atommüll. Wir lehnen eine weitere Erkundung des Salzstockes in Gorleben ab und setzen uns für eine bundesweite Suche nach tatsächlich geeigneten Lagerstätten ein. Des Weiteren wollen wir, dass nuklearer Müll grundsätzlich nur so gelagert wird, dass bei Bedarf eine Rückholung erfolgen kann. Dies betrifft auch leicht- und mittelradioaktiven Müll, und wir fordern, dass die Lagerung stets überwacht wird. Die Kosten zur Entsorgung der anfallenden Abfälle haben die Verursacher zu tragen. Wer radioaktive Produkte herstellt oder in den Verkehr bringt, muss einen Entsorgungsnachweis führen und die Kosten dafür übernehmen.

Wir fordern ein Ende der Energiegewinnung durch Kernkraftwerke!

Wir Piraten setzen uns dafür ein, die Energiegewinnung durch Kernspaltung zu beenden. Die Risiken bei Uranbergbau, Transport, Anreicherung, Betrieb, Wiederaufbereitung und Emissionen sind zu hoch, und die Entsorgung des Atommülls ist ungeklärt. Dazu kommt die Gefährdung durch Unfälle, potenzielle (Natur-)Katastrophen und Anschläge, sowie das unkalkulierbare Risiko, dass die verwendete Steuersoftware durch Computerviren geschädigt werden kann (Stuxnet).

Kernenergie ist volkswirtschaftlich die teuerste Form der Energiegewinnung!

Alle damit verbundenen Kosten müssen nach dem Verursacherprinzip umgelegt werden. Wir wollen die bestehenden Kernkraftwerke im Zuge des Ausbaus von erneuerbarer Energiequellen abschalten. Verfahren und Anwendungen, die weiteren Atommüll produzieren, sollen möglichst vermieden werden, solange es keine nachhaltige Lösung zum Umgang mit radioaktiven Abfällen gibt. Laufzeitverlängerungen und Neubauten von Kernkraftwerken lehnen wir ab, und alle stillgelegten Kernkraftwerke sollen unmittelbar die Betriebserlaubnis für die Reaktoren verlieren. Eine erneute Kehrtwende zur Atomkraft soll damit unterbunden werden. Anlagen für rein medizinische und wissenschaftliche Anwendungen sind davon ausgenommen.

Zudem sollen alle kerntechnischen Anlagen mit einer vollumfänglichen Haftpflichtversicherung versehen werden – bislang ist nämlich kein Kernkraftwerk in Deutschland versichert.

Die Entsorgung der Anlagen und der produzierten Abfälle sollen durch Rücklagen auf Treuhandkonten sichergestellt werden. Die Höhe dieser Rücklagen sind durch unabhängige Experten zu bestimmen.

[1] Christopher Schrader: http://www.sueddeutsche.de/wissen/hochradioaktiver-abfall-muellhalde-fuer-die-ewigkeit-1.517996
Süddeutsche Zeitung. 29. Oktober 2008.

2 Kommentare

  1. Ihr habr ja nicht ganz unrecht, aber die Terminologie ist plakativ…..
    Ihr meint doch nicht „Kernenergie“ – es geht um Energieaus Kernspaltung…….und deren Hinterlassenschaft.
    Es gibt Technologien, die Kerntechnik benutzen ohne Spaltungs-
    oder GAU-Gefahren. Bevor man also Aussagen macht, sollte
    man a)wissen worum es geht und b) nicht plakativ und populistisch
    verallgemeinern.Also schaut mal http://www.biokernsprit.org
    Zusätzlich gibt es noch die Kernfusion – dabei sind Kettenreaktionen
    unmöglich.
    Leider – da alles der Anti-Kernkraftinquisition hierzulande unterliegt –
    hat man auch die deutschen Wissenschaftler auf dem Nichtspaltungs-
    kernenergie Sektor brotlos gemacht und das ganze bisher investierte
    Steuergeld samt KowHow nutzt jetzt in China.
    Und noch eine Gefahr: Dient die weitgehends aus Steuergeld subventonierte Neuanlage der Leitungsnetze nicht eventuell dazu,
    Atomstrom aus dem Ausland (Osteuropa, Westeuropa…) über neue
    leistungsfähigere Netze gewinnträchtig für gewisse Unternehmen
    ins Inlandnetz einspeisen zu können und weniger dem Mäntelchen,
    diese Rieseninvestition diene den alternativen Energien….
    Also bitte- macht Euch schlau und eventuell ändern sich einige
    Ansichten….
    PS. Bei Fusionsprozessen besteht übrigens die Möglichkeit, radioaktive
    Hinterlassenschaften zu „verheizen“ statt teuer Endzulagern –
    auch dieser Ansatz fehlt —- als Pirat könnte man eigentlich mal
    vor Text- und Programmerstellung zumindest bei Wikipedia nach-
    lesen, was real Sache ist.