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Es geht um die Wurst!

Es geht um die Wurst

Icon ErnährungDie Werbung suggeriert den Menschen eine Landwirtschaft, wie sie sein könnte. Die Realität sieht aber oft anders aus, da die Bauern ökonomischen Zwängen ausgesetzt sind, die ihnen die Umsetzung eines solchen Idealbildes nicht erlauben.

Gerade im Bereich der Fleischproduktion sind wir längst bei einer industriellen Produktion angelangt. Diese Tierproduktion hat nur eine Aufgabe: Sie soll möglichst viel Fleisch in möglichst kurzer Zeit zu möglichst niedrigen Preisen erzeugen. Diese Form der Erzeugung geht in der Regel mit unakzeptablen Standards in der Nutztierhaltung einher und führt dazu, dass viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum leben müssen. Oder besser gesagt: Sie vegetieren vor sich hin.

Aber nicht nur das: In Deutschland werden jährlich 60 Millionen Schweine geschlachtet. Ein Drittel des Fleisches landet im Müll. Das heißt: Wir züchten, füttern und quälen 20 Millionen Tiere. Nur, um sie anschließend zu entsorgen. 20 Millionen – in Menschen umgerechnet sind das die Einwohner von New York, London und Berlin.

Das ist purer Wahnsinn – ausgelöst durch reine Profitgier.

Wissenschaftler und ein wachsender Anteil der deutschen Bevölkerung sind sich mittlerweile darin einig, dass dieser Trend und das anhaltende Preisdumping für Fleischprodukte nur möglich ist, so lange die Fleischindustrie auf Kosten der Tiere, der Arbeitsbedingungen der Landwirte und der Umwelt produziert. Die daraus resultierende industrielle Tierproduktion funktioniert nur, so lange Antibiotika und andere Medikamente eingesetzt werden.

Immer häufiger werden in Tierbeständen resistente Erreger nachgewiesen. Diese stellen nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der Tiere dar. Auch die Gesundheit der Bevölkerung wird akut gefährdet.

Die Piratenpartei fordert nicht nur eine artgerechte Haltung aller Nutztiere.

Die Piraten fordern, dass der Platzbedarf für Masttiere neu berechnet wird, um den Tieren ausreichend Bewegung zu ermöglichen. Zudem wollen wir, dass Masthähnchen und Puten ein ähnliches Platzangebot wie Legehühnern geboten wird.
Ein größeres Platzangebot vermindert bei den Tieren Stress und Infektionen. Damit ließe sich auch der Einsatz von Antibiotika zur Krankheitsbekämpfung deutlich reduzieren.
Bereits bestehende Gesetzte und Verordnungen müssen konsequent angewendet und deren Einhaltung strenger als bislang kontrolliert werden – vor allem, um dem Missbrauch von Antibiotika als Mastbeschleuniger zu unterbinden.

In Deutschland wurden Tieren im Jahr 2012 ca. 1.700 Tonnen Antibiotika verabreicht. Das lässt nur zwei Rückschlüsse zu: einmal den unerlaubten Einsatz von Antibiotika, oder aber unsere Tiere sind inzwischen so krankheitsanfällig, dass sie ohne Medikamente nicht lebensfähig sind.
Zudem wird ein Großteil der Medikamente durch Ausscheidungen wieder zurück in die Umwelt transportiert.

Die Produktion von Futter und die Entsorgung des Mistes erfolgt bei industriellen Mastanlagen extern. Gerade bei der Ausbringung der Gülle werden Gesetze missachtet, so dass in einigen Regionen Deutschlands das Trinkwasser weit über den Grenzwert hinaus mit Nitrat belastet ist. Hier sind Regionen in Niedersachsen mit 30 % der Proben über dem Richtwert von 25 mg und 21 % über dem Grenzwert von 50 mg betroffen. Auch in Schleswig-Holstein sind im oberflächennahen Grundwasser Messungen gemacht worden Hier liegt bei etwa 450.000 Hektar der Landesfläche der Nitratwert über dem Grenzwert von Trinkwasser von 50 mg pro Liter. Auch in Baden-Württemberg sind die Zahlen alarmierend.

Die Piratenpartei fordert, dass regional angepasst die amtliche Berechnungsgrundlage Großvieheinheiten / Hektar für die Größe eines Betriebes angewendet wird. Nur so ist sichergestellt, dass eine ökologisch sinnvolle und nachhaltige Tierhaltung gewährleistet ist, da sowohl die Erzeugung von Futter als auch die umweltschonende Verwertung der Exkremente im Einklang mit der verfügbaren Fläche stehen.

Vor 11 Jahren wurde der Artikel 20a im Grundgesetz um drei Worte erweitert:
„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung.“

 

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