Staatsbankrot und Wirtschaftskriese – ein historischer Rückblick – Vortrag vom 19.11.2012 im Helmholz-Zentrum Geesthacht

 

Staatsbankrott und Wirtschaftskrise – ein historischer Rückblick

Helmholz-Zentrum Geesthacht
19.11.2012

Vor ungefähr 30 Gästen begann gegen 20.00 der Vortrag von Manfred Hanisch, Professor für Geschichte und Didaktik in Kiel.

In drei Teilen zeigte Herr Hanisch die Historie der Verbandelung des Finanzsystems und des Staates auf.

Teil 1 – Der Anfang des Wahnsinns:

Es beginnt im 17. Jahrhundert mit dem Spieler John Law, der das Notenbanksystem erstmals im großen Stil (ganz Frankreich) ins Spiel brachte und nach astronomischen Erfolgen den ersten gigantischen Crash bescherte.

Angefangen als professioneller Glücksspieler in London beschäftigte er sich später in Amsterdam mit dem Finanzsystem. Sein Ruf als Finanzjongleur brachte ihn an den Hof des französischen Königs, wo er die erste große NOTENBANK gründete. Grund dafür war, das zu wenig Gold im Umlauf war, um die horrenden Staatskosten (auch nach KRIEGEN) noch zu finanzieren. Zudem hat er mit der Fusion der Westindien- und Ostindienkompanie zur Mississippi Kompanie eine gigantische Aktiengesellschaft gründete. Schon damals spekulierte er mit LEHVERKÄUFEN. Erfolgreich waren seine Konzepte nur so lange, bis die Anleger den Gegenwert, ihr Papiergeld und Aktien verlangten. Das System scheiterte und John Law starb verarmt (verspekuliert, Konten eingefroren) in Venedig.

-> parallelen zu heute? parallelen zu heute!! Sind alle Bänker Spieler?

Teil 2 – ein schneller Galopp durch die Zeit

Erwähnt noch kurz
• den Zusammenbruch des franz. Finanzsystems
• Die „Schuldenpolitik“ Napoleons nach dem Motto “ wenn ich alle Kriege gewinne, zahlen die Besiegten die Schulden“
• Das finanzielle Problem im ersten Weltkrieg, Irgendwann wollte keiner mehr Kriegsanleihen kaufen

 

Zwischen 1. und 2. Weltkrieg

Wege der Geldbeschaffung:
Deutschland durfte nach dem 1. Weltkrieg nicht aufrüsten. Die Finanzen waren unter externer Kontrolle.
Hitler umging dies mit der Gründung einer „wissenschaftliche“ Gesellschaft die die Mefo- Wechsel als Zahlungsmittel der Rüstungsindustrie annahm.
Damit wurde auch der Inflation vorgebeugt sowie die Begrenzung der Staatsverschuldung umgangen.

Nicht eingelöste Wechsel bringen Zinsen. Gleichzeitig sind diese als „Geld“ dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Später kaufte die Reichsbank Schrottpapiere auf.

Probates Mittel zum drücken der Inflation und zur Geldbeschaffung? Wird sowas ähnliches schon angewannt?
Gibt es Parallelen zum Aufstieg der NSDPA zur jetzigen Parteienentwicklungen in z.B. Griechenland???

 

Teil 3 – Und heute:

Unsere Verschuldung liegt über 2 Billionen €
Unser Staatshaushalt pro Jahr um 300 Milliarden

Wie sollte man das je zurück zahlen können? Eine gesunkene Neuverschuldung wird ja schon als Erfolg gefeiert.

Gute Schulden <> schlechte Schulden

Eine Firma benötigt Maschinen um mehr Produkte zu produzieren; nimmt Kredit auf und macht mit den Investitionen mehr Gewinn als sie an Zinsen zahlen muss.
Firma freut sich, Bank freut sich

Ich nehme Geld auf um in den Urlaub zu fliegen, gebe also nur aus.
Ich freue mich nur 1x, Bank freut sich gar nicht (wenn ich nicht zurück zahlen kann)
Da ich kein Produkt (zukünftigen Gewinn) vorweisen kann sagt die Bank: 3 Wochen Honnolullu gibt’s nicht

Aus Staatssicht:
Gute Schulden sind  Investition in die Infrastruktur und BILDUNG

Schlechte Schulden sind SOZIALTRANSFERS
Was wäre wenn der Staat sagt -> Rente und Harz 4 gibt’s nicht?

Problem: nur 40% der Bevölkerung arbeiten. 40% bekommen Sozialtransfers, 20% leben so mit (Ehepartner, Kinder…)

Gibt es Möglichkeit die Anzahl der Arbeitenden und damit Einzahlenden zu erhöhen?
JA -höheres Eintrittsalter in die Rente.
NUR – die Schere zwischen Leuten die durch körperlich Arbeit nicht können und durch sanfte Arbeit (Büro) können wird immer größer.
„Lieber die gleiche Arbeit auf mehr Schultern verteilen“

 

Blick über den Tellerrand:

Der Club of Rome hat schon in den 70ern erkannt das es ewigen Wachstum nicht geben kann. Die_Grenzen_des_Wachstums

„Was machen wir, wenn alle Chinesen so viele Steckdosen (Kupfer) wie wir wollen haben wollen? So viel  Kupfer gibt es nicht“

Wer hat die Macht?
Wenn der Staat Inflation macht (die Notenpresse anschmeißt) kann keiner mehr was machen ?

Hanisch: “ Inflation tut nur am Anfang weh“
Nur die die Geld haben sind am Arsch.
Inflation trifft die vor allem die Mittelschicht mit ihren Rücklagen.
Die schwerreichen haben genügend materielle Rücklagen.
Der einfache Arbeiter hat nix, kann somit auch nix verlieren solange die „Lohntüte“ immer wieder gefüllt wird.

Er verweist darauf das Inflationspolitik gleichzeitig Parteipolitik ist. Stärke ich die Mittelschicht? Stärke ich den kleinen Mann.

Ist das so? Kann man das so offensichtlich aus den Programmen, der Art wie Parteien agieren herrauslesen? Mann man Inflationspolitik und Parteipolitik gleich setzen?

 

Gegen 21:30 endet der Vortrag

Fragerunde:

Herr Rosell (CDU, Ratsmitglied Geesthacht):

Wir gucken in eine Schwarze Zukunft
Wir sind 7 Milliarden  Menschen.
Da Asien weiter aufstrebt, werden auch wir weiter Wachstum haben.
Es liegen 4 Billionen in Privatvermögen an Rücklagen auf Sparbüchern. Geld ist da. Gewinne können wir erhöhen wenn alle das Geld von Sparbüchern auf ein Tagesgeldkonten bringen würden…
Nach Adam Smith gebe ich Geld in die Wirtschaft
Und durch Wachstum bezahle ich Schulden

?? Wachstum? Woher kommen die Ressourcen? Was ist mit der Umweltverschmutzung? s.o.
¿ Sparbuch -> Tagesgeldkonto?; ja wer glaubt denn wenn alle ihr erspartes vom Sparbuch auf ein Tagesgeldkonto bringen, das die Zinsen noch so hoch sein würden? Die Bank will doch Gewinne machen. Die Zinsen würden dann deutlich runter gehen!

 

Meine Frage:

Die Macht der Staaten? Ich denke das die großen Industriekonzerne/Handels und Finanzkonzerne die Macht über die Staaten haben.

Hanisch: Wenn die Europäische Notenbank damit droht frisches Geld zu drucken hören die Aktionäre mit Spekulation auf da sonst ihre Vermögen durch die Inflation schrumpft.
-> ist das wirklich so?

Meiner Frage wie er sich denn eine Gesellschaft ohne Wachstum vorstellt weicht er zwei mal geschickt aus (und das wo er so auf die Politiker und deren Wortgewandtheit schimpft )

Fragen aus dem Publikum:
Wieso macht Europa kein Rating um gegen die parteischen Agenturen aus den USA anzutreten?
Antwort : „Was machen die Franzosen wenn ein Engländer das Rating macht ?“

Verweist darauf das Europa mental zusammen wachsen muss. Das wir um die 500 Mio Europäer sind und so auch eine „Macht“ gegenüber den aufstrebenden Staaten haben – wenn wir denn zusammen wachsen.

So endet gegen Zehn ein interessanter und unterhaltsamer Vortrag.

Große Antworten gab es nicht. Mag Herr Hanisch auch nicht jedermanns Typ sein; sympatisch war mir seine einfache Wortwahl, so das dem Vortrag hätte jeder folgen können. Leider war eher die gebildete „Mittelschicht“, wie er uns auch im Zuge der Abhandlung „wen trifft die Inflation“ nannte, anwesend.

Für einen kurzen Einblick war der Vortrag sehr gut.
Er hat bei mir neue Gedankenwege eröffnet ; zum Nachdenken angeregt

Ich könnte mir gut vorstellen, das er bei einem Finanz-wirtschaftlichen Treffen der PIRATEN gut ankommen würde. Sozusagen als Appetizer vor der richtigen Arbeit.
Vorstellen könnte er sich das auch, nur hat ihn bisher noch keine Partei eingeladen. Er sei wohl zu unbequem und in keiner politischen Richtung gebunden.

Autor: Karsten Kiehn


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