Bildung

7.1 Bildungschancen sind Lebenschancen

Bildungschancen sind Lebenschancen und bilden die Grundlage einer stabilen Demokratie. Die
Institutionen und Vorgaben des Bildungssystems strukturieren heute individuelle Lebensverläufe so
umfassend und nachhaltig wie nie zuvor in der deutschen Geschichte, und die soziale Herkunft und
Lebenslage bestimmt – wie kaum in einem anderen Industriestaat – den Zugang und die Chancen auf
Bildung und Teilhabe. Gute Bildung schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen fähig und
interessiert sind, als Bürger das öffentliche Leben aktiv mitzugestalten – genau dies brauchen wir für
eine stabile Demokratie.

7.2 Freier Zugang zu Bildung

Der freie Zugang zu Bildungsangeboten und -einrichtungen ist im Interesse aller. Deshalb ist es
Aufgabe der Gesellschaft, eine vielfältige Bildungsinfrastruktur zu finanzieren und gebührenfrei zur
Verfügung zu stellen: Bildungsgebühren jeglicher Art schränken den Zugang zu Bildungsangeboten
ein.
Aus diesem Grund befürworten wir die Lehrmittelfreiheit und den verstärkten Einsatz von Werken, die
unter einer freien Lizenz stehen, zur Vermittlung von Wissen.

7.3 Finanzierung von Bildung und Forschung

Bildung und Forschung sind eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Vor diesem
Hintergrund ist es unverständlich, dass eine reiche Industrienation wie Deutschland einen, im
internationalen Vergleich, unangemessen niedrigen Teil der öffentlichen Mittel in Bildung und
Forschung investiert.
Wir fordern daher eine bessere finanzielle Ausstattung des gesamten Bildungssystems ohne
Einbeziehung der Lehrerpensionen.

7.4 Demokratisierung der Bildung

Wir setzen uns für eine Demokratisierung der Schul- und Bildungslandschaft ein. Das bedeutet für uns
die stärkere Beachtung der Persönlichkeitsrechte von Auszubildenden, Praktikanten, Schülern und
Studenten ebenso wie die der Lehrenden. Wir wollen die Demokratisierung des Bildungsbereichs auf
allen Ebenen – unter anderem durch weitergehende Rechte für die Schülermitverwaltungen und die
Studierendenschaften – erreichen (ähnlich wie bei der betrieblichen Mitbestimmung).

7.5 Neutralität in der Bildung

Wichtig ist uns, dass besonders die Bildungsinhalte im naturwissenschaftlichen Bereich auf fundierten
und belegbaren Erkenntnissen basieren und von einem neutralen Standpunkt vermittelt werden. Dies
beinhaltet vor allem eine sachliche Darstellung, die Ausgewogenheit der Standpunkte und eine
kritische Quellenbewertung frei von religiöser oder politisch motivierter Wissensvermittlung.

7.6 Bildungsstandards

Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und angesichts der derzeit herrschenden
Verbesserungsbedarfes im deutschen Bildungssystem fordern wir die zügige Umsetzung der
festgesetzten Bildungsstandards auf Bundes- und Länderebene, wie sie von der
Kultusministerkonferenz und dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen gefordert
werden. Zur Gewährleistung bundeseinheitlicher Bildungsstandards in allen Bundesländern
übernimmt das ausführende Organ der Bundesregierung die qualitätsführende Kontrolle und
Evaluation.

7.7 Gute Bildung auch für junge Menschen mit Einwanderungshintergrund

Gesellschaftliche Teilhabe gelingt nur durch gute Bildung.
Wir setzen uns dafür ein, dass allen Kindern und Jugendlichen mit Einwanderungshintergrund – so wie
allen anderen Schülern auch – passgenaue Bildungsangebote angeboten werden. Deshalb wollen wir,
dass dafür angemessene Ressourcen sowohl an Personal als auch an Sachausstattung zur
Verfügung gestellt werden. Nach einem Sozialindex sollen alle Schulen mit ausreichendem
Lehrpersonal und anderen Professionen, wie Sozialarbeitern, Sozialpädagogen und Psychologen
ausgestattet werden. Außerdem soll die interkulturelle Schul- und Unterrichtsentwicklung gestützt und
gefördert werden.

7.8 Frühkindliche Bildung und die Kindertageseinrichtungen

7.8.1 Kostenloser Kindergarten- und Kinderkrippenbesuch

Während im Nachbarland Hamburg fünf Stunden Kinderbetreuung inklusive Mittagessen kostenlos
sind, zahlen Eltern in Schleswig-Holstein die höchsten Kita-Gebühren Deutschlands. So wundert es
nicht, dass nur 90,8 Prozent der Kinder von drei Jahren an bis zur Einschulung in Schleswig-Holstein
eine Kindertagesbetreuungseinrichtung besuchen (weniger sind es bundesweit mit 90,2 Prozent nur in
Bremen).
Der Besuch einer vorschulischen Einrichtung leistet jedoch einen wichtigen Beitrag dazu, dass Kinder
in der Grundschule leichter lernen und sich besser in einer Gruppe zurechtfinden. Gleichzeitig können
Kindergärten, Kinderkrippen und andere Kindertagesstätten maßgeblich zur Entlastung berufstätiger
Eltern beitragen und es manchen Eltern überhaupt erst ermöglichen, einen Beruf auszuüben.
Deshalb wollen wir es aus Landesmitteln ermöglichen, dass der Besuch von Kindergärten nach dem
dritten Lebensjahr und der Besuch von Kinderkrippen bereits nach dem zweiten Lebensjahr für jedes
Kind kostenlos angeboten werden. Damit erhalten alle Kinder – unabhängig von ihrem familiären und
gesellschaftlichen Hintergrund – möglichst gleiche Voraussetzungen für ihren weiteren Bildungsweg.

7.8.2 Flexible Betreuung, 24-Stunden-Kita

Wir setzen uns dafür ein, dass Kitas flexible Betreuungsstunden entsprechend des Betreuungsbedarfs
der Eltern anbieten können.

7.8.3 Bessere Ausbildung und Bezahlung von pädagogischem Personal

Vom pädagogischen Personal im vorschulischen Bereich wird immer mehr gefordert.
Wir möchten, dass die Bezahlung sowie die Aus- und Fortbildung dieser für die Entwicklung der
Kinder so wichtigen Fachkräfte den neuen Anforderungen und der erhöhten Belastung angepasst
wird. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass z.B. durch die Erhöhung der Personalschlüssel die
Qualität der Arbeit im Kindertagesbetreuungsbereich gesichert und verbessert wird.

7.9 Schule

7.9.1 Keine Strukturreform aus ideologischen Gründen

Ziel unserer Schulpolitik ist die optimale Förderung der Schüler frei von ideologischen Schulstrukturen.
Unsere Schulpolitik wird sich darauf konzentrieren, wie Schüler besser auf ihr Leben vorbereitet
werden können. Die wichtige Frage ist für uns, was unsere Kinder wie lernen sollen.

7.9.2 Leistungsdruck und Schulstress verringern

Wir setzen uns dafür ein, dass die Lehr- und Bildungspläne sowie die Lernstandserhebungen auf die
Leistungsfähigkeit der Schüler angepasst werden. Statt Lernstandserhebungen wie PISA oder VERA,
die ausschließlich den Wissensstand messen, möchten wir langfristige Evaluationsverfahren auf den
Weg bringen, die auch die Selbstreflexion der Schüler einbeziehen und somit die Lernprozesse
unterstützen. Bei der inhaltlichen Neugestaltung von Lernplänen sollte der Vermittlung von
Kompetenzen zum „Lernen lernen“ als Voraussetzung, die sich stetig verändernden gesellschaftlichen
Lebenswelten mit ihren Folgen für die eigenen Bildungsbiographie erfolgreich zu bewältigen, ein
hohes Gewicht zukommen.

7.9.3 Unterstützung der Weiterentwicklung des Systems Schule

In Schleswig-Holstein machen sich viele Schulen z.B. unter dem Motto „Schulen im Aufbruch“ auf den
Weg, das System Schule grundsätzlich neu zu denken und strukturell und inhaltlich zu verändern.
Diesen Weg unterstützen wir.
Wir setzten uns dafür ein, dass sich Schule vom Lern- zum Lebensort weiter entwickelt und die
Schüler umfänglich in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördert. Hierzu bedarf es multiprofessionelle
Teams (Pädagogen, Psychologen, Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter etc.). Wir hinterfragen das
Berufsbild des Schulleiters. Aus unserer Sicht sollte sich dieses weg vom Lehrer, hin zum „Manager“
entwickeln. Ein Schulleiter als Manager wäre mehr Vertragspartner für Land und Schulamt als derzeit
deren Angestellter. Wir sehen die Zukunft in professionell geführten Schulen mit eigenem Budget für
besonders profilbildende Maßnahmen vor Ort – eingebettet als Lern- und Lebensort in der eigenen
Region.

7.9.4 110% Unterrichtsabdeckung und bessere Betreuung

Wir setzen uns ein für einen Betreuungsschlüssel bzw. eine Klassengröße, die einen verbesserten
Unterricht sowie eine individuelle Betreuung zum Ziel hat. Dazu gehören die Schaffung neuer
Planstellen und eine angemessene Fort- und Weiterbildung der Lehrer. Auch die Qualität des
Unterrichts soll regelmäßig überprüft werden. Wir möchten, dass man sich dabei auch an aktuellen
psychologisch-pädagogisch und soziologisch anerkannten internationalen und nationalen
Bildungsstudien für die entsprechenden Lerngruppen orientiert.
In den Bereichen Medienkompetenz und Pädagogik sehen wir einen besonderen Bedarf an
Weiterbildung für Lehrer. Zudem wollen wir Angebote schaffen, bei denen Eltern gemeinsam mit ihren
Kindern an das Thema Mediennutzung herangeführt werden. Wir setzen uns ein, die Anzahl der
Schulsozialarbeiter – auch an Gymnasien – zu erhöhen. Dies ist Ländersache und darf nicht den
Kommunen aufgebürdet werden.

7.9.5 Erziehung zur Demokratie

Die gelebte Vermittlung der Grundprinzipien unserer demokratischen Staats- und Gesellschaftsform
ist eine der Aufgaben staatlicher Bildungseinrichtungen. Durch die frühe Möglichkeit, sich an (schul)-
politischen Entscheidungen zu beteiligen und Themen zu erarbeiten, wollen wir auch der
Politikverdrossenheit unter Jugendlichen vorbeugen. Selbstbestimmung an der Schule durch das
Lehrerkollegium und ein Mitbestimmungsrecht der Schüler und Eltern schaffen faire Arbeitsstrukturen.
An die demokratischen Entscheidungen des Kollegiums ist nach unserer Konzeption auch die
Schulleitung gebunden.
Wir setzen uns dafür ein, die Schülermitverwaltung in eine Schülermitbestimmung umzugestalten, um
eine Teilhabe an Entscheidungen zu ermöglichen. Kinder und Jugendliche lernen so demokratische
Prinzipien und Werte und Weise kennen und schätzen, mit dem Ziel, dass sie kritischer mit
extremistischem Gedankengut umgehen. Parallel hierzu wollen wir den gesellschaftswissenschaftlichpolitischen
Unterricht ausbauen.

7.9.6 Persönlichkeitsrechte der Schüler und Lehrer achten

Wir setzen uns dafür ein, dass die Privat- und Intimsphäre sowie das Recht auf informationelle
Selbstbestimmung von Schülern und Lehrern gewahrt bleiben. Videoüberwachung und private
Sicherheitsdienste haben keinen Platz in Schulen. Präventive Durchsuchungen und Kontrollen oder
Urinuntersuchungen sind zu unterlassen. Die Unschuldsvermutung gilt auch für Schüler. Diese unter
Generalverdacht zu stellen, zerstört das Vertrauen zu Schule und Lehrern, ohne welches Unterricht
und Erziehung nicht möglich sind.

7.9.7 Religions- und Ethikunterricht

Wir setzen uns dafür ein, dass allen Schülern an staatlichen Bildungseinrichtungen ethische und
religiöse Inhalte gleichwertig vermittelt werden. Einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht
lehnen wir ab.

7.9.8 Politische Bildung in den Schulen stärken

In den weiterführenden Schulen soll das Fach Politik ein deutlich höheres Gewicht bekommen.
Schüler sollen sich mit geschichtlichen und aktuellen politischen Ereignissen kritisch
auseinandersetzen. Sie sollen in einer demokratischen Grundhaltung gestärkt werden. So soll
rassistischen und nationalistischen Tendenzen vorgebeugt und entgegengewirkt werden.

7.9.9 Medien- und IT-Kompetenz

Das Internet und die modernen Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Darüber
hinaus ist Medienkompetenz zu einer Schlüsselqualifikation auf dem Arbeitsmarkt geworden.
Es ist Auftrag der staatlichen Bildungseinrichtungen, sich dem anzunehmen und den Schülern diese
Kompetenzen fächerübergreifend zu vermitteln. Die Schüler sollen lernen, selbstbestimmt,
sachgerecht, sozial verantwortlich, kommunikativ und kreativ mit den Medien umzugehen, sie für
eigene Bildungsprozesse sowie zur Erweiterung von Handlungsspielräumen zu nutzen und sich in
medialen wie nichtmedialen Umwelten zu orientieren und wertbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Den Wandel zu digitalen Schulen konsequent zu Ende denken bedeutet auch, dass sich die derzeitige
Schul- und Unterrichtsstruktur verändern muss. Lernzeiten und Lernorte müssen neu gedacht und
entwickelt werden. Auf diesen Weg können sich nur Bund und Länder gemeinsam machen, so dass
auch die derzeitige Bund-Länder-Finanzstruktur auf den Prüfstand gestellt werden muss.
Für Kinder und Jugendliche ist die Nutzung moderner Medien alltäglich, daher darf es nicht zu einem
Bruch zwischen dem privaten und schulischen Alltag kommen. Es ist daher unbedingt notwendig,
dass die digitalen Medien besser in den Unterricht integriert werden und verstärkt zum Einsatz
kommen. So lernen die Kinder und Jugendlichen diese Geräte nicht nur als „Spielekonsolen“ sondern
auch als Arbeitsinstrumente kennen. Pauschale Medienverbote lehnen wir ab. Wir befürworten, dass
die Schüler ihre elektronischen Geräte auch außerhalb des Unterrichts nutzen dürfen. Dabei dürfen
die Persönlichkeitsrechte anderer nicht eingeschränkt werden.

7.9.10 Informatikunterricht an Schulen

Die Schüler wachsen in einer Welt auf, in der Computer in immer mehr Bereichen Anwendung finden
und alltägliche Aufgaben übernehmen. Es ergeben sich jedoch erhebliche Unterschiede hinsichtlich
des Kenntnisstands im Umgang mit Computern und der Programmierung. Darüber hinaus wird das
Fach Informatik nicht an allen weiterführenden Schulen angeboten. Die daraus resultierende
Ungleichheit stellt sowohl ein Problem im Bereich der privaten Nutzung technischer Geräte als auch
im Berufsleben dar. Um dem Rechnung zu tragen und gleiche Voraussetzungen für alle zu schaffen,
soll Informatik an allen Schulen ab Jahrgangsstufe 5 als Pflichtfach eingeführt werden.

7.9.11 Einsatz von freier Software und Lehrmitteln unter freien Lizenzen

Wir wollen erreichen, dass an Bildungseinrichtungen ausschließlich Lehrmittel mit freien Lizenzen
verwendet werden. Dies trägt zur Kostensenkung bei Eltern und Schulen bei. Verlage sollten nicht
mehr durch Lizenzen, sondern nach Aufwand bezahlt werden. Diese können dann die Gestaltung und
Aktualisierung zusammen mit Lehrern, Eltern und Schülern anbieten. Zudem setzen wir uns für den
Einsatz von freier Software an Schulen ein, damit kein Sponsorship von großen Softwareunternehmen
den Unterricht unterwandert.

7.9.12 Keine Schultrojaner in Schleswig-Holstein

Die Kultusministerkonferenz hat mit den Schulbuchverlagen einen Vertrag geschlossen, der den
Einsatz von Plagiatssoftware, den so genannten Schultrojaner, auf Computern an den Schulen
vorsieht. Damit soll auf den Schulcomputern nach illegalen digitalen Schulbuchkopien gesucht
werden. Wir lehnen diese Kriminalisierung von Lehrern und Schülern entschieden ab und setzen uns
dafür ein, dass der Vertrag für Schleswig-Holstein geändert oder gekündigt wird.

7.9.13 Chronotypen

Ausreichender Schlaf ist für die Bildung eines Langzeitgedächtnisses von grundsätzlicher Bedeutung.
Studien hierzu zeigen, dass die Abendtypen, wenn sie früh morgens Leistungen erbringen müssen,
schlechtere Leistungen erbringen als die Morgentypen. Dieser Effekt ist bei Jugendlichen stärker
ausgeprägt als bei Studierenden. Schulen sollten in die Lage versetzt werden, diesen Erkenntnissen
mit der Anpassung ihrer Unterrichtsstruktur Rechnung zu tragen.

7.9.14 Angebote für Schüler mit Lernschwierigkeiten und Hochbegabtenförderung

Schüler sind unterschiedlich und haben individuelle Begabungen und Talente. Wenn diese
Unterschiede nicht berücksichtigt werden, führt dies dazu, dass einzelne Schüler nicht ihrem Potential
gemäß gefördert werden. Die Über- oder Unterforderung einzelner Schüler führt außerdem zu
Verhaltensauffälligkeiten und einem schlechten Lernklima innerhalb der Klassengemeinschaft.
Wir setzen auf Individualität in der Bildung und sprechen uns für geeignete Angebote sowohl für
Schüler mit besonderem Förderbedarf als auch für so genannte Hochbegabte aus. Die Erforschung
der entsprechenden Phänomene und die Einbindung von Interessengruppen sollte Ziel sein, um ein
Bildungsklima zu schaffen, das sich an der individuellen Realität, anstatt an einem theoretischen
Durchschnittsschüler orientiert.

7.9.15 Alltagswissen – Schüler auf das Leben vorbereiten

Nach der Schule kommt es immer wieder für Schüler zum bösen Erwachen. Fit in Geometrie und
Algebra, Grundkenntnisse in mehreren Fremdsprachen und top informiert über die französische
Revolution. Wie das mit der eigenen Krankenversicherung funktioniert, oder wie man beim ersten Job
eine Steuererklärung schreibt, ist völlig unbekannt. In vielen Familien kann dieses Alltagswissen nicht
ausreichend besprochen werden.
Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass Schülern auch in der Schule Alltagswissen vermittelt wird und
dies fester Bestandteil des Lehrplans wird.

7.9.16 Ganztagsbetreuung an Schulen

Wir setzen uns dafür ein, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Schleswig-Holstein weiterhin
gefördert und die Verzahnung zwischen Vormittags- und Nachmittagsbereich (Rhythmisierung)
verbessert werden.

7.9.17 Qualitätsstandards für Ganztagsschulen

Durch einheitliche Qualitätsstandards soll sichergestellt werden, dass neben Hausaufgabenbetreuung
und Förderkursen ein möglichst breites Angebot an kulturellen, geistes-, naturwissenschaftlichen
sowie sportlichen Tätigkeiten auf hohem fachlichem Niveau angeboten wird. Dabei ist die
Zusammenarbeit mit Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Vereinen und
anderen Organisationen zu beiderseitigem Vorteil ausdrücklich erwünscht. Für die dort tätigen
Ganztagskoordinatoren und -leitungen möchten wir ein einheitliches Stellenprofil erreichen (wie z.B. in
Hamburg vorhanden) und diese dementsprechend tariflich eingruppieren. Für alle an
Ganztagsschulen tätigen pädagogischen Mitarbeiter sollen in Schleswig-Holstein regelmäßig
kostenfreie Qualifizierungsangebote vorgehalten werden. Die Angebote der Serviceagentur Ganztägig
Lernen SH sollten zur Qualitätssicherung und -weiterentwicklung auch in den kommenden Jahren
bestehen bleiben.

7.9.18 Freie Schülerbeförderung

Wir setzen uns für eine grundsätzlich beitragsfreie Schülerbeförderung ein. Die Finanzierung soll
Landesaufgabe sein. Eine Beitragsbefreiung sollte für Vorklassen und die Schuljahrgänge 1-4
(Sekundarstufe I) der allgemeinbildenden Schulen bei einer Mindestentfernung von einem Kilometer
zwischen den Haltestellen am Wohnort und der Haltestelle an der Schule gelten, und auch bei den
Schuljahrgängen der Sekundarstufe II und der Oberstufe, wenn die entsprechende Mindestentfernung
zwei Kilometer beträgt. Für Schüler, deren Schulweg die Mindestentfernung unterschreitet übernimmt
das Land keine Kosten der Schülerbeförderung, verpflichtet sich aber, bei gefährlichen
Streckenabschnitten einen organisierten Schülerverkehr vorzuhalten.

7.9.19 Schulspeisung

Eine gesunde Ernährung ist aus Gründen der körperlichen und geistigen Entwicklung und der
Konzentrationsfähigkeit der Kinder wichtig. Berufstätige Eltern, besonders Alleinerziehende, haben
nicht immer die Möglichkeit, ihren Kindern ein Mittagessen zu bieten. Schulspeisungen können dazu
beitragen, dass sich ihre Kinder trotzdem ausgewogen ernähren.
Wir setzen uns daher für die Einführung vollwertiger Schulspeisungen aus regionalem Anbau – wenn
möglich sogar den Demeter-Richtlinien entsprechend – an allen Schulen und Kindertagesstätten ein.
Die Finanzierung dieser Schulspeisungen ist so zu gestalten, dass alle Schüler unabhängig von der
sozialen oder finanziellen Lage der Familie diskriminierungsfrei daran teilnehmen können.

7.10 Übergang Schule Beruf

Wir setzen uns dafür ein, die Erwachsenenbildung und -weiterbildung erheblich offener und
systemübergreifender zu gestalten. Zusätzlich kommen inzwischen viele Menschen zu uns nach
Schleswig-Holstein, die bisher keinen Kontakt zu unserem dualen Ausbildungssystem hatten. Aber
auch diese Menschen bringen vielfache, berufliche Qualifikationen mit. Unsere Aufgabe ist es, diese
Qualifikationen in unserem System abzubilden und ergänzende Teilqualifikationen und Ausbildungen
anzubieten. Hier muss ein möglichst nahtloser Übergang in unsere Ausbildungssysteme, bei
Anerkennung auch nicht formaler Vorqualifikationen, ermöglicht werden. Diese Teil- und
Nachqualifikationen sollen zu einer kompletten Ausbildungsqualifikation zusammengeführt und
anerkannt werden.

7.10.1 Einheitliches Konzept der Berufsorientierung

Um Kindern und Jugendlichen bereits frühzeitig gleiche Chancen auf eine gute
Ausbildungsperspektive zu ermöglichen, benötigt Schleswig-Holstein ein einheitliches Konzept der
Berufsorientierung, welches bereits mit Wechsel in die Sekundarstufe (Klasse 5) an allen Schulen im
Land beginnt. Bestandteil dessen ist eine aktive Ansprache und Einbeziehung der Eltern, da diese
erheblichen Einfluss auf die Berufsorientierung ihrer Kinder haben.
Dieses sollte für Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund auch Informationen über Möglichkeiten
und Chancen des deutschen Bildungssystems und seiner Anschlussfähigkeit in der Ausbildung
beinhalten.

7.10.2 Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit stärken

Wir setzen uns ein für den Ausbau der Vernetzung und rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit
zwischen Schule, Jugendhilfe und zuständigen Jobcentern/Arbeitsagenturen. Hierbei gilt es, die
Freiwilligkeit des Zugangs der Jugendlichen und ihrer Eltern sowie ihr Recht auf Datenschutz zu
diesen Angeboten zu wahren. Die Einrichtung von Jugendberufsagenturen kann hierfür ein Weg sein,
bewährt sich aber insbesondere nicht in Flächenkreisen im Land. Die Vermittlung von Jugendlichen in
immer neue „Warteschleifen“ (wie zum Bespiel so genannte „Trainingsmaßnahmen zur Verbesserung
der beruflichen Integrationschancen von benachteiligten jungen Menschen unter 25 Jahren“) sehen
wir kritisch.
Statt immer wieder wechselnde neue Förderprogramme aufzulegen, wollen wir bestehende Angebote
und Einrichtungen wie z.B. Praxisklassen oder Jugendwerkstätten langfristig finanziell abzusichern.
Zudem möchten wir Angebote, die wirtschaftsnah Betriebe direkt bei der Ausbildung ihrer Lehrlinge
unterstützen (wie zum Beispiel Ausbildungsbegleitende Hilfen) ausbauen. Des Weiteren setzen wir
uns dafür ein, dass im Ausland erworbene Schulabschlüsse unkomplizierter anerkannt werden.
Bereits vorhandene Qualifikationen von jungen Migranten sollten in Qualifizierungsbausteinen
zertifiziert werden und Anschlussqualifizierungen geschaffen werden, die die Vorkenntnisse
berücksichtigen. So ist es schneller und reibungsloser möglich, anerkannt „deutsche“
Ausbildungsabschlüsse zu erlangen.

7.11 Hochschulbildung

7.11.1 Freier Zugang zu Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung (Open Access)

Wir setzen uns für den allgemeinen und freien Zugang zu allen aus Steuermitteln finanzierten
Forschungsergebnissen ein (Open Access). Das Land soll einen landesweiten Open-Access-
Dokumentenserver für Wissenschaftler betreiben, um Forschungsergebnisse dauerhaft und kostenfrei
für die Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Wir setzen uns dafür ein, den unter anderem auf unsere
Initiative hin gegründeten Open Access Publikations-Fonds zur Finanzierung von Open-Access-
Veröffentlichungen weiter zu führen und auszubauen. Um Wissenschaftler mit besonders guten Open
Access-Publikationen zu belohnen und herauszustellen, sollte jährlich ein Open-Science-Award vom
Land verliehen werden.

7.11.2 Transparenz von Rüstungsforschung

Die Beteiligung von Wissenschaft und Forschung sowie öffentlichen Einrichtungen wie Hochschulen
für die militärische Nutzung bzw. Zielsetzung muss offengelegt werden. Hier muss klar benannt
werden, welche Partner beteiligt sind und was das genaue Ziel des Projektes ist. Die Finanzierung
und die Stellenpläne müssen vollständig offengelegt werden, damit Abhängigkeiten erkennbar sind.

7.11.3 Weiterhin keine Studiengebühren

Wir setzen uns dafür ein, dass es auch in Zukunft keine Studiengebühren in Schleswig-Holstein geben
wird.

7.11.4 Semesterticket für das ganze Land

Die Semestertickets der einzelnen Hochschulen sollten für ganz Schleswig-Holstein und Hamburg
gelten. Hierbei muss durch Unterstützung des Landes sichergestellt werden, dass die Kosten für die
Studierenden bezahlbar bleiben. Dies soll die Kooperation der Studierenden von unterschiedlichen
Hochschulstandorten vereinfachen. Es ist ein erster Schritt hin zum fahrscheinlosen Nahverkehr.

7.11.5 Pauschale Urheberabgaben, Fair-Use-Klausel bei Zitaten (VG Wort)

Wissenschaftler an Hochschulen sollen sich auf Forschung und Lehre konzentrieren, statt ihre Zeit mit
dem Melden von Zitaten an die VG Wort zu verschwenden. Die aktuelle Situation führt zum massiven
Löschung von Lehrmaterialen aus dem Internet aus Angst vor Forderungen durch die VG Wort.
Wir setzen uns für eine unbürokratische Pauschalabgabe an die Urheber ein. Eine Einzelerfassung
von Zitaten lehnen wir ab. Langfristig sollte eine Fair-Use-Klausel nach britischem und
amerikanischem Vorbild eingeführt werden, wonach Lehrmaterialien zu Bildungszwecken frei
verwendet werden dürfen.

7.11.6 Mensa-Essen: transparent, bezahlbar und ausreichend

Die Mensa ist an einem langen Hochschultag oft die einzige bezahlbare Nahrungsquelle für
Studierende.
Deshalb möchten wir die Inhaltsstoffe und den Nährwert der einzelnen Speisen klar kennzeichnen. Es
ist wichtig, dass das Mensa-Essen bezahlbar bleibt und für jeden Hochschulangehörigen verfügbar ist,
wenn er es braucht.

7.11.7 Demokratie an der Hochschule

Professoren, Mitarbeiter und Studierende sollten in den Selbstverwaltungsgremien der Hochschulen
gleichberechtigt stimmberechtigt sein.

7.11.8 Kindertagespflege

Jedes Kind hat vom ersten Geburtstag bis zur Einschulung einen Rechtsanspruch auf einen Platz in
einer Tageseinrichtung für Kinder oder in der Kindertagespflege.
Wir möchten, dass Hochschulangehörige nicht nur in ihrer Heimatgemeinde einen Rechtsanspruch
auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind haben, sondern für den Zeitraum ihres Studiums alternativ an
ihrer Hochschule.
Wir setzen uns für den Ausbau der Betreuungsplätze ein und wollen dafür sorgen, dass die
Öffnungszeiten die Zeiten der Pflichtveranstaltungen der Hochschule abdecken. Dies wird
Hochschulen ermuntern Pflichtveranstaltungen vorwiegend zu familienfreundlichen Zeiten zu legen.

7.11.9 Anwesenheitspflicht

Wir lehnen eine Anwesenheitspflicht für Veranstaltungen mit Vorlesungscharakter ab.

7.11.10 Streaming von Vorlesungen

Veranstaltungen mit Vorlesungscharakter sollten als Videostream und Aufzeichnung im Internet für
jedermann zur Verfügung gestellt werden.

7.11.11 Finanzielle Ausstattung von Hochschulen verbessern

Die Hochschulen müssen auskömmlich finanziert werden um ihre Aufgaben in Forschung und Lehre
zu erfüllen. Zu diesem Zweck setzen wir uns für einen Hochschulpakt 4 ein. Langfristig muss der
Hochschulpakt verstetigt werden. Die Verteilung der Mittel unter den Hochschulen sollte sich sowohl
nach der Zahl der Studierenden als auch nach der Zahl der Absolventen richten.

7.11.12 Familienfreundliche Hochschule

Arbeits- und Studienbedingungen an den Hochschulen müssen familienfreundlich gestaltet werden.
Insbesondere Arbeits- und Studienzeiten müssen so gestaltet werden, dass Familie und
Beruf/Studium möglichst gut miteinander vereinbar sind. Die verschiedenen Statusgruppen der
Hochschule sollten gleichberechtigt von den Vorteilen der Familienfreundlichkeit profitieren.

7.12 Weiterbildung/ Erwachsenenbildung, berufliche Bildung

7.12.1 Ausbildung auch im späteren Lebensalter ermöglichen

Die Idee von der einmaligen Ausbildung, dem Abschluss und der anschließenden 45-jährigen
Ausübung eines Berufes entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit in Deutschland. Technischer
Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel machen immer mehr Berufsbilder überflüssig, lassen aber
auch immer mehr neue Berufsbilder entstehen. Dazu kommt mit einem immer späteren
Renteneintrittsalter ein immer längerer Verbleib im Arbeitsleben, der oft zwar nicht sinnvoll ist, aber
zurzeit eher noch weiter nach hinten verschoben wird.
Das führt dazu, dass fast alle Menschen in ihrem Erwerbsleben nicht nur ihre Arbeitsstellen, sondern
auch komplette Berufsbilder wechseln.
Vielfach wird dieser Wechsel der Berufsbilder und der Quereinstieg in neue Berufe nur sehr wenig
unterstützt oder geregelt. Das hat zur Folge, dass im neuen Berufsfeld erst bei Ausübung des Berufes
Qualifikationen erworben werden, die besser zu Beginn der Tätigkeit vorhanden gewesen wären.
Wir setzen uns dafür ein, die Menschen, die ihr Berufsfeld ändern, bestmöglich zu unterstützen. Hier
sind Ergänzungsqualifikationen ein guter Weg. Aber auch komplette Neuqualifikationen werden – auch
im späteren Lebensalter – immer wahrscheinlicher. Um diese berufliche Qualifikation und Anpassung
zu unterstützen, bedarf es mehr staatlicher Hilfe. Dazu muss es auch bereits vor Verlust des
Arbeitsplatzes möglich sein, sich neu zu qualifizieren, ohne die ökonomische Lebensgrundlage zu
gefährden. Zur Finanzierung dieser Weiterbildung möchten wir auch die Wirtschaft heranziehen.

7.12.2 Bildungslandschaften wachsen lassen und fördern

Die Entstehung und der Ausbau von Bildungslandschaften bietet eine gute Grundlage zur Schaffung
einer Kultur des „Lebenslangen Lernens“. Durch die Vernetzung aller regional im Bereich Bildung
tätigen Akteure (sowohl der professionellen als auch der im Rahmen zivilgesellschaftlichen
Engagements aktiven) gelingt es, Bildung als Prozess „von der Wiege bis zur Bahre“ zu gestalten und
gerade auch den Menschen, die sich nicht so leicht von traditionellen Bildungsangeboten
angesprochen fühlen, eine Chance auf Bildung und Teilhabe zu ermöglichen.

7.12.3 Gleiche Berufschancen im Lehrer- und Dozentenbereich

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schleicht sich eine Zweiteilung im Bereich der
Bildungsvermittler ein: Auf der einen Seite stehen gut abgesicherte Beamte auf Lebenszeit, auf der
anderen Seite billige Honorarkräfte, die in den Schulen Teile des Unterrichts und der Betreuung
übernehmen oder an den Hochschulen als Lehrbeauftragte in vielen Bereichen dafür sorgen, dass
überhaupt noch ein ausreichendes Lehr- und Betreuungsangebot vorhanden ist.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Zeit- und Werksverträge im Bildungswesen untersagt werden.

7.12.4 Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf Bachelor-/ Master-Studiengänge erfordert auch eine
Anpassung der besoldungsrechtlichen Einstufung der Lehrämter. Die Änderungen in der
Lehrkräftebesoldung sehen vor, zukünftig alle Lehrkräfte nach der Besoldungsgruppe A 13 zu
entlohnen. Davon ausgenommen sollen diejenigen mit Befähigung für das Lehramt an Grundschulen
sein; diese sollen weiterhin nach A 12 besoldet werden. Lediglich für die Lehrkräfte an
Gemeinschaftsschulen mit Befähigung für das Grund- und Hauptschullehramt soll die Möglichkeit
einer Beförderung nach A 13 bestehen.
Dies ist für die Grundschullehrer unzumutbar und darüber hinaus auch nicht zu begründen.
Wir folgen dem Grundsatz: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ Und dies muss gerade bei denjenigen
durchgesetzt werden, die das Fundament für das spätere Leben eines jeden einzelnen legen. Daher
setzen wir uns dafür ein, dass alle Lehrer mindestens nach A13 besoldet werden. Alternativ muss es
möglich sein, die Qualifikation für das Grundschullehramt mit dem Abschluss des Bachelors zu
erreichen.

7.12.5 Förderung Erwachsenenbildung

Wir wollen ein integratives Konzept »Lebenslanges Lernen« aufbauen, das Volkshochschulen mit
Schulen, Fachhochschulen, Berufsschulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen zu einem
Verbund der Erwachsenenbildung effektiv zusammenführt. Vor allem ältere Menschen in unserer
Gesellschaft dürfen nicht vom Gebrauch neuer Medien abgeschnitten werden. Deshalb setzen wir uns
ein für entsprechende Fortbildungsangebote.

7.12.6 Familienfreundliche nachschulische Bildung

Wir möchten, dass die nachschulische Bildung (z.B. an berufsbildenden Schulen und Hochschulen,
sowie Ausbildungsbetrieben) familienfreundlicher gestaltet wird. Ausbildungs-, Studien- und
Prüfungsordnungen sollen gegebenenfalls so geändert werden, dass Eltern- oder Pflegezeiten nicht
zu negativen Auswirkungen aus formalen Gründen führen können. Aus- und Weiterbildung müssen
parallel zur Kindererziehung möglich sein. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die Kinderbetreuung
in Betrieben und an Hochschulen ausgebaut wird.

7.13 Kinder- und Jugendpolitik zukunftsgerecht gestalten

7.13.1 Kinder und Jugendliche beteiligen

Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit bekommen, sich an
Entscheidungsprozessen aktiv zu beteiligen. Kinder und Jugendliche sollen vor allem in ihrer eigenen
Lebenswelt, wie z. B. in Kita, Schule, Jugendzentrum oder Politik mitbestimmen können. Ihnen muss
die Möglichkeit gegeben werden, sich aktiv einzubringen und sich an der Gestaltung ihres Alltages
beteiligen zu können.

7.13.2 Einmischen aber richtig! Jugendbeiräte stärken – Jugendparlamente einführen

Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche schon heute auf kommunaler Ebene an allen
sie betreffenden Entscheidungen angemessen beteiligt werden. Zur Stärkung ihrer Rechte streben wir
an, dass landesweit alle zwei Jahre am selben Tag Kinder- und Jugendbeiräte als
Interessenvertretung auf kommunaler Ebene gewählt werden. Zur Vernetzung dieser Beiräte wird auf
Landesebene eine entsprechende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen und durch das Bildungs- und
Sozialministerium in ihrer Arbeit unterstützt.
Wir setzen uns für die Verankerung eines echten Jugendparlaments in der schleswig-holsteinischen
Verfassung ein. Die gewählten Jugendlichen und deren Beschlüsse sollen konkreten Einfluss auf
laufende Beratungsprozesse im Landtag nehmen können. Die Kinder- und Jugendparlamente sind
Beratungsgremien mit Rede-, Antrags- und sukzessivem aufschiebendem Vetorecht, welche die
Interessen der Kinder und Jugendlichen gegenüber den bei Landtags- bzw. Bundestagswahlen
gewählten Mandatsträgern vertreten. Die Kinder- und Jugendparlamente werden demokratisch durch
alle im jeweiligen Wahlgebiet lebenden Kinder und Jugendliche, die das 21. Lebensjahr noch nicht
vollendet haben, gewählt.

7.13.3 Mehr gesellschaftliche Teilhabe

Vielfach sind junge Menschen von Armut bedroht. Schlechte finanzielle Verhältnisse in Familien
verhindern auch den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe.
Wir setzen uns daher für eine auskömmliche Kindergrundsicherung als Brückentechnologie eines
bedingungslosen Grundeinkommens ein.

7.13.4 Freiräume für Jugendliche

Junge Menschen brauchen Freiräume. Neben Schule, Studium oder Ausbildung muss Jugendlichen
ausreichend Zeit für Kreativität, Spiel und Sport oder auch Langeweile eingeräumt werden.
Wir setzen uns dafür ein, dass Schul- und Studienzeiten sowie ihre Inhalte auf die Bedürfnisse junger
Menschen angepasst werden. Neben den zeitlichen Freiräumen brauchen Jugendliche auch
Räumlichkeiten für Kreativität und Aktivität.

7.13.5 Jugendliche und ihre digitale Lebenswelt erkennen, akzeptieren und fördern

Wir setzen uns dafür ein, dass Kindern und Jugendlichen der Umgang mit digitalen Medien neutral
beigebracht wird. Smartphones gehören zur Lebenswirklichkeit junger Menschen dazu. Die Nutzung
von Smartphones zu verbieten oder bestimmte Apps zu verteufeln ist kein sinnvoller pädagogischer
Ansatz. Vielmehr geht es darum, die Chancen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen, zu erkennen
und zu fördern. Kinder und Jugendliche sollen sich in ihrer digitalen Welt zurechtfinden und
durchsetzen können sowie über die Chancen aber auch bestehende Gefahren aufgeklärt werden.

7.13.6 Kinder- und Jugendbeauftragte/r

Wir setzen uns ein für die Schaffung einer Stelle eines/r unabhängigen Landesbeauftragten für die
Rechte und Belange von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein. Diese Stelle des/der
unabhängigen Landesbeauftragten möchten wir mit einem ausreichenden Handlungsspielraum sowie
mit ausreichenden finanziellen und personellen Mitteln auszustatten.