Wenn Politiker Jugendarbeit machen

Mit Bestürzung verfolgen die Piraten in Henstedt-Ulzburg die Entwicklung zum Thema Jugendarbeit in der Gemeinde. Es macht fassungslos, dass den langjährigen Mitarbeitern der Jugendzentren öffentlich ihre Fähigkeiten abgesprochen werden, wie sogar in dem Protokoll zur entsprechenden Ausschusssitzung [1] nachzulesen ist. Und auch der Umstand, dass man tatsächlich ohne Ausschreibung vorgehen will, also ohne den Versuch den geeignetsten und günstigsten Kandidaten für diese Arbeit zu finden, stimmt zumindest nachdenklich. Zumal diese Vorgehensweise gemäß Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL) gar nicht zulässig wäre.

„Sich über die Möglichkeiten einer privaten Trägerschaft für die Jugendarbeit Gedanken zu machen, gehört zweifelsfrei zur Arbeit der Politiker.“ so Oliver Grube, Pirat aus Henstedt-Ulzburg. „Doch es ist traurig, wenn Politiker sich anmaßen über die Qualifikation von Fachkräften zu entscheiden und ihnen die Kompetenz öffentlich absprechen. Wenn Mobbing nicht erkannt wird, besteht die Gefahr, dass alle Beteiligten nachhaltigen Schaden davon tragen. So etwas ist sicherlich nicht im Sinne eines fairen Miteinanders und entspricht keiner respektvollen und wertschätzenden Haltung gegenüber seinen Mitmenschen.“

Angeblich hätten die Jugendzentren einen schlechten Ruf, heißt es im Protokoll weiter. Wie die örtlichen Politiker zu diesem Urteil gelangen, erschließt sich einem jedoch nicht. Die Kommentare auf einen entsprechenden Artikel bei den HU-Nachrichten [2] sprechen eine andere Sprache. Und auch eine neu formierte Initiative gegen die geplante Privatisierung der offenen Jugendarbeit [3] hat binnen weniger Stunden über hundert Interessierte gewinnen können.

Schon 2012 war das Thema offene Jugendarbeit in den Ausschüssen beraten worden. Und schon 2012 haben die Piraten bei den Parteien die Beweggründe und den Sinn dieser Planungen erfragt. Sofern überhaupt geantwortet wurde, waren die Auskünfte vage. Trotzdem drängte sich einem stets der Verdacht auf, dass einige Fraktionen schon ganz genaue Planungen hatten, wie mit der Jugendarbeit in Henstedt-Ulzburg verfahren werden soll. Transparenz und Bürgerbeteiligung sehen anders aus.

 

[1] Protokoll der Sitzung des Kinder- und Jugendausschusses vom 04.11.2013

[2] Artikel der Henstedt-Ulzburger Nachrichten

[3] Facebook-Seite der Bürgerinitiative gegen die Privatisierung der offenen Jugendarbeit in Henstedt-Ulzburg