Bahnanbindung Thema in der Glückstädter Stadtvertretung

Stadtvertretung Glückstadt

Bericht von der Sitzung der Glückstädter Stadtvertretung am 13.05.2013

Hauptthema der Stadtvertretersitzung war der einstimmige Beschluß über ein gleichlautendes Schreiben der Stadt Glückstadt sowie der Glückstädter Parteien Bündnis90/Die Grünen, CDU, FDP, PIRATEN und SPD zum Thema Bahnanbindung Glückstadt ab Dezember 2014 an Wirtschaftsminister Meyer, die verkehrspolitischen Sprecher der Parteien im Kieler Landtag, Staatssekretär Dr. Nägele und die LVS. Hier das Schreiben im Originalwortlaut:

Bahnanbindung von Glückstadt ab Dezember 2014

Sehr geehrter Herr Minister Meyer,

sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Nägele,

sehr geehrte Mitglieder des Verkehrsausschusses und des LVS-Beirates,

sehr geehrter Herr Wewers,

die Parteien in Glückstadt haben sich und zusammen folgenden Beschluss gefasst:

Die Glückstädter Parteien erhalten ihre Forderung nach Beibehaltung des regelmäßigen Halts der Marschbahn in Glückstadt und einer besseren Anbindung nach Hamburg-Altona aufrecht.

Wir erkennen ausdrücklich an, dass mit den im November 2012 zugesicherten zusätzlichen Zügen um 4:27 Uhr und 5:27 Uhr ab Glückstadt und 14:55 Uhr und 15:55 Uhr ab Hamburg-Altona eine erhebliche Verbesserung der Verkehrsverbindung eingetreten ist, die insbesondere für die Frühpendler von Bedeutung ist. Auch die zunächst nur für das Jahr 2015 zugesicherten zusätzlichen NOB-Halte um 5:47, 6:47, und 7:47 Uhr ab Glückstadt sowie um 20:39, 21:39 und 22:33 Uhr ab Hamburg-Altona sind insbesondere ein wichtiger Beitrag, um für eine erhebliche Anzahl von Pendlern über Hamburg-Altona eine zügige Hinfahrt zum Arbeitsplatz zu ermöglichen.

Diese Nachbesserungen sind jedoch nach wie vor für viele Pendlerinnen und Pendler in den Westen Hamburgs unzureichend, da ihre Rückfahrt von Hamburg-Altona weiterhin zu einem wesentlichen Teil nur mit großem Zeitverzug möglich ist. Insbesondere zu den nachfolgenden Zeiten ist das zugesicherte Angebot eine erhebliche
Verschlechterung gegenüber dem jetzigen Fahrplan

a) Züge von Itzehoe über Glückstadt nach Hamburg-Altona

1) Es fehlt insbesondere für den Schülerverkehr von Itzehoe nach Glückstadt eine
Verbindung 12:12 Uhr bzw. 13:12 Uhr ab Itzehoe.

2) Für die Nachtschichtpendler fehlt eine Verbindung 20:12 Uhr ab Itzehoe und 20:27 Uhr
ab Glückstadt.

b) Hamburg-Altona über Glückstadt nach Itzehoe

1) Für die Rückreise von Nachtschichtpendlern sowie Schülerverkehr nach Itzehoe fehlt eine Verbindung 6:55 Uhr ab Altona, 7:31 Uhr ab Glückstadt und 7:45 Uhr an Itzehoe oder 6:39 Uhr ab Altona, 7:07 Uhr ab Glückstadt und 7:21 Uhr an Itzehoe.

2) Für die Rückreise von Teilzeitbeschäftigten sowie Schülerverkehre aus Elmshorn fehlen die Verbindungen 12:55 und 13:55 Uhr ab Altona, 13:19 und. 14:19 Uhr ab Elmshorn und 13:31 und 14:31 Uhr ab Glückstadt.

3) Für die Rückreise der länger arbeitenden Beschäftigten aus dem Hamburger Western sind umsteigefreie Verbindungen um 18:55 Uhr und 19:55 Uhr ab Altona unbedingt erforderlich.

Wir bedauern es sehr, dass die versprochenen Gespräche mit „Pro Bahn“ nur sehr zögerlich stattgefunden haben, wir sind der Auffassung, dass Herr Thieme mehrfach konstruktive, umsetzbare Vorschläge unterbreitet hat, die es durchaus ermöglichen einen regelmäßigen Marschbahn-Halt in Glückstadt vorzusehen, ohne die
nachvollziehbaren Ziele der LVS, insbesondere die kurze Wende, aus den Augen zu verlieren.

Wir fordern das Land Schleswig-Holstein auf in die anstehende Ausschreibung des Netzes West den regelmäßigen Halt in Glückstadt vorzusehen, nicht nur als Option. Um dafür die Voraussetzungen zu schaffen, fordern wir die Anschaffung von Antriebsfahrzeugen, die spurtstark sind und Höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h erlauben. Der Halt aller Marschbahnzüge in Glückstadt ist wesentlich billiger als die Ausfüllung der Lücken durch Nordbahnzüge und bietet zudem ein wirklich gutes Angebot.

Bedauerlicherweise wurden die Glückstädter Piraten bei der Formulierung des Textes nicht beteiligt. Wir haben unterschrieben, um die Gemeinsamkeit der Parteien nicht zu verlassen. Hier nun noch die Textpassagen, die unser Meinung nach unbedingt dazu gehört hätten:

c) Beide Richtungen

1.) Ein gravierender Einschnitt für die Stadt Glückstadt ist der Nichthalt der Marschbahn in Bezug auf den Tourismus, insbesondere für den Tagestourismus. Von heute 95 Halten (48 in Richtung Itzehoe +47 in Richtung Elmshorn/Pinneberg/Hamburg, Betreiber NOB und Regionalbahn) von Zügen in Glückstadt gäbe es bei Realisierung der Pläne der Landesregierung ab Dezember 2014 dann noch lediglich 55 (28 in Richtung Itzehoe und 27 in Richtung Elmshorn/Pinneberg/Hamburg, Betreiber Nordbahn und NOB). Das entspricht einer Reduzierung der Zughalte von 42 Prozent. Ab Dezember 2015 soll dann nochmals reduziert werden auf dann noch lediglich 49 (25 in Richtung Itzehoe und 24 in Richtung Elmshorn/Pinneberg/Hamburg, Betreiber Nordbahn). Das entspricht dann sogar einer Reduzierung der Zughalte von 48 Prozent gegenüber dem jetzigen Stand.

2.) Weitere negative Folgen für die Stadtentwicklung sind zu befürchten. Im letzten Jahrzehnt wurde die Stadt Glückstadt für viele in Hamburg Arbeitende – insbesondere für Familien mit kleinen Kindern – auf Grund der guten Bahnanbindung sowie akzeptabler Mieten und Grundstückspreise als permanenter Wohnort interessant. Diese Entwicklung hält bisher an – würde aber bei einem Nichthalt der Marschbahn ab Dezember 2015 abrupt ein Ende haben und wäre im Zuge des demographischen Wandels für die Stadt Glückstadt verheerend.

3.) Abschließend sei erwähnt, dass bei Realisierung der Pläne der Landesregierung die Kapazitäten der heute schon häufig überfüllten Züge deutlich reduziert würden, obwohl zukünftige Baumaßnahmen auf der A7 eine weitere Verkehrsverlagerung erwarten lassen.

Aus all den o.g. Punkten ergibt sich daher für Glückstadt ab Dezember 2014 ein erheblicher nicht zu akzeptierender Standortnachteil im Vergleich zu Städten wie Itzehoe und Elmshorn.

Einen vollständigen Bericht findet man in der Norddeutschen Rundschau vom 15.05.2013 mit dem Titel Gemeinsam für mehr Bahnstopps.