Informationsveranstaltung Marschbahn-Ausschreibung

Veranstaltung Ausschreibung Marschbahn in Heide

Informationsveranstaltung der regionalen Kooperation A23/B5 zur Marschbahn-Ausschreibung im Kreishaus in Heide

Nach Eröffnung der Veranstaltung durch Landrat Dr. Jörg Klimant gab Staatsekretär Dr. Nägele in einem Vorwort das Versprechen, bei zukünftigen Ausschreibungen rechtzeitig mit den betroffenen Kommunen zu kommunizieren. Die bisherige Praxis sei gerade im Fall Glückstadt negativ gewesen. Es wird weiterhin mit der Ausschreibung 2015-2025 eine Zusammenführung der Bus- und Bahnfahrpläne gewünscht. Tenor: „Mobilität ist der Schlüssel an der Westküste“.

Anschließend referierte Burkhard Schulze, LVS-Bereichsleiter für Verkehrswirtschaft über die Ausschreibung. Wichtig: Es gibt eine Wiedereinsatzgarantie für die 90 Personenwagen der NOB bis 2030, nicht aber für Lokomotiven und Triebwagen.

Teil 1 der Ausschreibung Fahrzeugbereitstellung läuft bereits und soll Mitte 2013 abgeschlossen sein.

Teil 2 Verkehrsleistungen soll ab Herbst 2013 vergeben werden. In der Qualität soll es bei dem jetzigen Standard bleiben.

Jochen Kiphard, Bereich Fahrplan und Fahrzeuge bei der LVS, referierte im zweiten Teil über den zukünftigen Fahrplan. Hauptkriterium ist die Umsetzung eines Integralen Taktfahrplans (ITF): In festgelegten Knoten treffen sich Züge aus allen Richtung zur vollen oder zur halben Stunde und gewähren gegenseitige Anschlüsse in alle Richtungen.

Die vollständige Präsentation ist seitens der LVS im Internet veröffentlicht worden.

Wichtig für Glückstadt: In der Ausschreibung gibt es zwei „Ernsthaft“ zu prüfende Optionen:

1.) Halt in Glückstadt
2.) Anbindung von Brunsbüttel

In der nachfolgenden Diskussion verdeutlichte Dr. Nägele den Wunsch nach Elektrifizierung der Strecke bis Heide bis 2025. Seitens der Teilnehmer wurde Zweigleisigkeit ab Westerland gefordert. Ebenso wurde darauf hingewiesen, dass es in den Zügen der Marschbahn keine Barrierefreiheit gibt.
Kein Zugang zur ersten Klasse sei möglich, ein Rollstuhl könne nicht befestigt werden, Ein- und Aussteigen sei beschwerlich. Dr. Nägele versprach, sich zu kümmern. Lärmschutz wurde angemahnt. Dazu Berhard Wewers, Geschäftsführer der LVS: Laute Lokomotiven werde es nur noch 2 Jahre geben. Unterschiedliche Gültigkeit der Fahrscheine zwischen NOB und DB wurde angemahnt. Man wolle EINEN gültigen Fahrschein für alle Betreiber. Übernahme von Personal und Reparaturwerkstätten sind bedingt Teil der Ausschreibung – man prüfe das. Ab jetzt sollen laut Wewers immer Personenwagen und Lokomotiven von einem Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Der Bürgermeister von Tornesch weist darauf hin, das in seiner Stadt „Hunderte Beschäftigte aus Heide“ arbeiten würden und diese alle per PKW zur Arbeit kämen, da die NOB in Tornesch nicht halten würde. Weitere Frage nach Reaktionen bei Streiks der Lokführer, schlechtes bis nicht vorhandenes Krisenmanagement wurde vorgeworfen.

Nun zum Hauptthema der Glückstädter – die zukünftige Bahnanbindung: Aus Glückstadt waren vertreten Bürgermeister Gerhard Blasberg, Stefan Goronczy von der FDP, Dr. Hans-Georg Helm von der CDU, Lutz Thieme von ProBahn, Heiko Schlüter als Vertreter der Pendler und Dr. Siegfried Hansen von der Piratenpartei in Glückstadt. Wir haben uns an der Diskussion lebhaft beteiligt und Eindruck hinterlassen.

Bürgermeister Blasberg mahnte die Beteiligung der Glückstädter und ProBahn bei der Entscheidung zur Option Glückstadt an. Goronczy wies nochmals auf das lebenswichtige Interesse der Pendler am Halt der Marschbahn in Glückstadt hin und forderte Solidarität für Glückstadt von allen Kreisen der Westküste. Interessant wurde es, als Heinrich Voß von den Grünen, Kreistagsabgeordneter im Kreistag Steinburg und Bruder des MDL Bernd Voß das Wort ergriff. Er forderte uneingeschränkte Solidarität für Glückstadt und hob die Bedeutung des Bahnhalts in Glückstadt für die umliegenden Gemeinden hervor. Betroffen seien insgesamt mindestens 15000 Einwohner. Dann gab es Stimmen zur Anbindung von Brunsbüttel. Tenor: Brunsbüttel benötigt Schienenersatzverkehr – Dr. Nägele will sich der Thematik Brunsbüttel annehmen. Hier liegt eine Chance für Glückstadt. Es gab schon eine Buslinie Brunsbüttel – Glückstadt – betrieben von der NOB, daher auch der Halt der NOB in Glückstadt. Diese Buslinie war defizitär und wurde – es gab keine ÖPNV Unterstützung finanzieller Natur– eingestellt. Würde diese reaktiviert, wäre das zwingend ein Argument für den Halt der Marschbahn in Glückstadt. Dr. Hansen wies dann in der Veranstaltung noch darauf hin, dass laut Zahlen der LVS in Glückstadt jeder neunte Einwohner mit der Bahn fährt. Das sei ein Spitzenwert in den TOP5 aller Haltepunkte der Marschbahn (nach Elmshorn und Heide aber weit vor Husum und Itzehoe).

Weiterhin wurde von Dr. Hansen – in Anlehnung an den Antrag „Lückenlose Videoüberwachung in Schleswig-Holsteins Zügen verhindern“ von Dr. Patrick Breyer von der Piratenpartei im Landtag – gefragt, wie teuer denn die Nachrüstung der verbindlich zu übernehmenden 90 Personenwagen der NOB mit Videoüberwachung wäre. Laut Bernhard Wewers von der LVS wolle man zwingend die Videoüberwachung, Kosten könne man zurzeit nicht genau beziffern, sie seien aber „überschaubar“.

Zwei Artikel zu dieser Veranstaltung finden sich in der Norddeutschen Rundschau vom 12.03.2013 und vom 13.03.2013.