Antrag Essbare Stadt

Nach dem Vorbild der Stadt Kiel – siehe auch den Bericht in der Norddeutschen Rundschau vom 27.11.2013 „Kiel soll lecker für alle werden“ – möchte die Glückstädter Fraktion der PIRATEN dieses Konzept der „Essbaren Stadt“ auch in Glückstadt verwirklichen und hat dazu folgenden Antrag eingebracht:

Beschlussvorschlag:

Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen,
1) inwieweit eventuelle rechtliche Hindernisse einer Bepflanzung vorhandener Freiflächen mit Obst und Gemüse entgegenstehen,
2) welche Freiflächen für eine Bepflanzung in Frage kämen,
3) ob bei einer sukzessiven Nachbepflanzung des vorhandenen Stadtgrüns auf heimische Obst und Gemüsesorten kostenneutral umgestellt werden kann,
4) welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Bepflanzung durch ehrenamtliches Bürgerengagement zu ermöglichen. Dabei ist insbesondere zu prüfen, wie interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Schulen und Kindertagestätten für ein solches Projekt gewonnen werden können.

Sach- und Problemdarstellung:

Die Stadt Glückstadt muss nicht grau sein. Öffentliche Grünflächen bestehen meist aus Rasenflächen, Blumenbeeten und Bäumen ohne essbare Früchte. Es gibt viele Ideen, wie man unsere Stadt grüner und lebenswerter machen kann. Das Konzept „Essbare Stadt“ ist dabei besonders interessant.

Unter einer „Essbaren Stadt“ versteht man die Entwicklung einer lebendigen und produktiven Stadtlandschaft im Kontext von „Urban Gardening“, d.h. in der Stadt wird je nach Eignung der Fläche der Anbau von Hecken (z.B. Himbeere oder Stachelbeere), Bäumen (z.B. Esskastanie, Nuss- und Obstbäume) oder Gemüse und Kräuter angestrebt. Giftige Hecken könnten durch Hecken mit gesunden Früchten ersetzt werden. Da jeder ernten darf, wird so eine gewisse Selbstversorgung der Bevölkerung ermöglicht und eine gesündere Lebensweise gefördert.

Die Bepflanzung hat viele Vorteile. Die Bürgerinnen und Bürger haben nicht nur die Möglichkeit, sich kostenlos am Gemüse auf den öffentlichen Flächen zu bedienen, sondern aus eigener Initiative Gemüse selbst anzupflanzen und zu pflegen. Nicht jeder kann sich schließlich einen eigenen Schrebergarten leisten, sei es aus zeitlichen, gesundheitlichen oder finanziellen Gründen. Besonders für Stadtkinder, die oft Obst und Gemüse höchstens aus dem Supermarkt kennen, ist das eine echte Bereicherung. Durch die gemeinsame Pflege und Arbeit entstehen neue soziale Strukturen, die das Zusammenleben bereichern. Dadurch entsteht ein stärkeres Bewusstsein für die Natur, eine erhöhte Lebensqualität und eine verstärkte Identifikation mit der Stadt. Auch sind generationsübergreifende Projekte z.B. zwischen Seniorenheimen und Schulen denkbar.

Die Stadt Andernach geht seit 2008 neue Wege in der Grünplanung. Die Unterhaltung und Pflege der städtischen Grünflächen ist aus den kommunalen Finanzen kaum noch
finanzierbar, daher werden diese für die urbane Landwirtschaft genutzt. Das städtische Grün übernimmt im Rahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung nicht nur ästhetische Funktionen, sondern auch ökologische und ökonomische.

Mit dem Konzept “Essbare Stadt” werden die Bürgerinnen und Bürger Glückstadts für ihre städtischen Grünflächen sensibilisiert und in die Nutzung und Pflege mit
eingebunden. Die Stadt Andernach hat es vorgemacht und pflanzt Erdbeeren, Tomaten, Kartoffeln, Zucchini, Kürbisse, Karotten an. Es gibt viele essbare Pflanzen, die sich für eine Bepflanzung auch auf kleinem Raum eignen.

Die „Essbare Stadt“ bietet die Möglichkeit zu einem gesamtstädtischen Konzept zu kommen, das Menschen jeden Alters und aus allen Bevölkerungsschichten anspricht und mitnimmt. Unter dem Motto „Pflücken erlaubt“ statt „Betreten verboten“ könnte das Projekt zu einem Markenzeichen und Aushängeschild unserer Stadt werden, was sowohl bei unseren Bürgern und Besuchern gleichermaßen beliebt sein dürfte.

Weitere Quellen: