Ist Kinder-und Jugendschutz eine Handelsware?

Der Fall Friesenhof macht Defizite im Kinder- und Jugendschutz, der in privatwirtschaftliche Hände gegeben wird, sichtbar. Verletzt das Ministerium aus Personalmangel seine Sorgfaltspflicht?

„Wer eine Würstchenbude aufmacht, muss mit unvermuteten Kontrollen rechnen; wer eine Jugendhilfeeinrichtung betreibt, darf sich über unvermutete Kontrollen beschweren“, erklärte Wolfgang Dudda die absurde Situation.

Anlässlich der Sondersitzung des Sozialausschusses am 9. Juni zum Fall Friesenhof in Dithmarschen forderte der sozialpolitische Sprecher der Piratenfraktion Wolfgang Dudda:
„Wir brauchen viel häufiger unangekündigte und qualifizierte Kontrollen. Das hat der Fall um den Friesenhof mehr als deutlich gezeigt.“

Sechs Mitarbeiter für die Fachaufsicht zur Kontrolle von 1800 Einrichtungen – das ist, gerade wenn es um Kinder und Jugendliche geht die mit besonderen Problemen belastet sind, einfach zu wenig.

Bis  heute doktort die Ministerin Alheit ergebnislos an neuen Anforderungen für das fachliche Personal herum. Doch die Zeit drängt. Zudem hat sie bisher keine Idee geliefert, wie inakzeptable pädagogische Methoden verhindert werden können.

Der absolute Tiefpunkt in der ganzen Diskussion war jedoch, dass der Abgeordnete Tietze sich gegen intensiviere qualifizierter Kontrollen ausgesprochen hat.
„Persönliche Angriffe des Abgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen Dr. Andreas Tietze treffen mich nicht, zeigen aber deutlich, dass er die Tragweite des Falles um den Friesenhof und die Jugendhilfelandschaft insgesamt überhaupt nicht verstanden hat. Das ist unter dem Zeichen unseres Auftrags für Kinder-und Jugengschutz tatsächlich unerträglich,“empörte sich Wolfgang Dudda.

Neben einer verbesserten Kontrolle der Einrichtungen forderte der Piratenabgeordnete außerdem niedrigschwellige Hilfsangebote für die betroffenen Kinder, Jugendliche und Betreuer, z.B. in Form einer kostenfreien Hotline.