Der Protest ist völlig berechtigt

Die Kritik an immer mehr Kreuzfahrtschiffen in Kiel wird lauter

Andreas Halle, Kieler Ratsherr der Piraten, findet, dass die Proteste gegen immer mehr Kreuzfahrtschiffe völlig gerechtfertigt sind. Die Sorgen, die Vertreter*innen aus Politik und Wirtschaft gegenüber der heutigen Demo in Kiel äußern, hält er für unbegründet. Vielmehr sollten sie die Sorgen der Protestler ernst nehmen.

Jedes Jahr mehr Kreuzfahrtschiffe in Kiels Hafen führen zu einem stetig lauter werdenden Protest. Andreas Halle, Ratsherr der Piraten in Kiel, hält die Kritik für völlig berechtigt.

Der Klimawandel setzt gerade voll ein, und dass die Ostsee krank ist erkennt man schon daran, dass sich die sauerstoffarmen Todeszonen ausbreiten. In einer solchen Situation immer mehr Kreuzfahrtschiffe nach Kiel zu lotsen mutet schon etwas ignorant an. Zumal die Ratsversammlung in Kiel erst vor knapp drei Monaten den ‚Climate Emergency‘ verabschiedet hat. Zu den UN-Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 bekennt sich die Stadt ebenso ganz offiziell und will diese fördern.

Anstatt sich also über die Proteste zu sorgen, müssen sich Politik und Wirtschaft vielmehr fragen, warum sie sich so schwer damit tun, auf die begründeten Sorgen der Leute einzugehen. Denn kaum jemand wird wohl behaupten wollen, dass es den Klimawandel nicht gibt und die Ostsee vollkommen gesund ist.

Auch wirtschaftlich ergibt das ungebremste Wachstum für Kiel kaum Sinn. Alle Schiffe fahren unter ausländischer Flagge, zahlen ihre Steuern also anderswo. Viele der Schiffsgäste wiederum zieht es zum Tagesausflug nach Hamburg. Die Kieler Gastronomie und der Einzelhandel an der Förde haben davon wenig.

Kulturell gesehen passen die schwimmenden Bettenburgen auch nicht so richtig in die ‚Sailing City‘. Sailing ist überhaupt das Stichwort. Moderne Großsegler wären als Urlaubs- und Passagierschiff viel zeitgemäßer. Das zeigt auch der Blick in andere Küstenstädte, die teils noch viel schlimmer unter den monströsen Kreuzfahrtschiffen leiden. Venedig ist von der UNESCO jedenfalls schon dazu aufgefordert worden, den ‚Overtourism‘ zu beenden, weil man der Stadt ansonsten den Status als Weltkulturerbe wieder wegnehmen müsse. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Kreuzfahrt-Irrsinn mit Kultur nicht mehr viel gemein hat.“

Vom Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer erwartet Andreas Halle eine klare Positionierung dazu, ob er weiter auf ungebremstes Wachstum setzen will oder auf mehr Umweltschutz und Lebensqualität für die Kieler*innen.

Die Leute wollen bestimmt gerne wissen, was der Oberbürgermeister tun möchte, um Kiel – wie er selbst sagt – zum ‚ökologischten und nachhaltigsten Hafen Europas‘ zu machen. Mindestens die Landstromversorgung von der Herr Kämpfer so gerne spricht, muss er dann zur Pflicht für alle Schiffe machen. Andernfalls bleibt die Lebensqualität in Kiel auf der Strecke. Und mit ihr die Glaubwürdigkeit des amtierenden OB.“