Tracking-Verfahren: Den Verfolgern auf der Spur

Wundern Sie sich auch manchmal, warum Sie von Werbung für ein ganz bestimmtes Produkt über alle Internetseiten, die Sie aufrufen, verfolgt werden? Sie haben beispielsweise nach einem bestimmten Kleidungsstück gesucht oder sich über ein neues Gerät informiert, und schon bekommen Sie an allen Ecken Werbung für genau dieses Produkt? Zufall? Bei Weitem nicht! Dies ist die konsequente Weiterführung von Käuferanalyse in Zeiten von Internet und sozialen Medien. So genannte Tracking-Verfahren, also Methoden zur digitalen Verfolgung von Benutzern, werden heutzutage immer häufiger verwendet.

Es war noch nie so einfach wie heute, detaillierte Profile über Kunden anzulegen. Und dabei sind nicht einzelne Käufergruppen gemeint, sondern wirklich jeder Käufer individuell. So ist es mittlerweile möglich, herauszufinden, welche Produkte Sie sich angesehen haben, wie lange Sie das getan haben und wie oft. Aus Ihren tatsächlichen Käufen werden dann weitere Daten entnommen, um Sie und Ihre Bedürfnisse so genau wie möglich zu analysieren und Ihnen maßgeschneiderte Werbung anzuzeigen.

Wenn sich darüber hinaus mehrere Internetseiten der selben Tracking-Werkzeuge bedienen, dann entsteht so oft sehr schnell ein detailiertes und personenbezogenes Bild. Aber auch wenn Dienste eines Anbieters auf mehreren Seiten Anwendung finden, ist dies möglich. Wissen Sie, wo überall Dienste von Google eingesetzt werden und Ihre Daten erfassen? Dienstanbieter wie Google oder Facebook mögen zwar kein Geld für ihre Dienste verlangen, aber zahlen müssen Sie trotzdem. Das Zahlungsmittel sind Ihre Daten und Ihr Nutzungsverhalten. Jedes Mal wenn Sie eine Internetseite aufrufen, die einen “Like-Button” oder einen integrierten Google-Dienst wie die Suche verwenden, dann wissen diese beiden Firmen von Ihrem Besuch auf diesen Seiten. Auch die häufig verwendeten Cookies auf allen möglichen Seiten sind ein beliebtes Werkzeug, um abfragen zu können, ob es auch wirklich Sie sind, der gerade eine bestimmte Seite aufruft und diese Information dann an den Ersteller des Cookies weiterzugeben.

Das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) analysiert mit dem Projekt “Track your Tracker” zahlreiche Webauftritte auf solche Tracker und erklärt die Problematik dahinter. Es ist durchaus ein legitimes Interesse der Wirtschaft, möglichst viele Daten über ihre Käufer zu sammeln und zu nutzen, aber dies muss im Einklang mit dem Datenschutz und einer expliziten Zustimmung der Kunden geschehen.

Leider wird viel zu wenig auf die Datensammlung hingewiesen, sie wird als selbstverständlich betrachtet und auch die Anwender hinterfragen aus Bequemlichkeit oft nicht, was möglicherweise über sie gespeichert wird. Denken Sie daran: Die Wirtschaft will nicht wissen, was sie gerade kaufen, sie möchte ergründen, was Sie morgen konsumieren werden. Informieren Sie sich also selbst und machen sich ein Bild über die Datensammlung und ihre möglichen Konsequenzen für Sie persönlich. Anschaulich aufbereitete Informationen finden Sie auf der Projektseite des Fraunhofer Instituts.

Autor: Arne Wulf

Buchtipp:
Lautloses Duell von Jeffery Deaver und Der Täuscher von Jeffrey Deaver