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Keine Geburten mehr auf Sylt

Nach der Schließung der Geburtenstation in der Asklepios-Klinik 2014 müssen werdende Mütter beim sogenannten Boardingkonzept etwa 2 Wochen vor der Geburt die Insel verlassen, um in Flensburg, Heide oder Husum ihr Kind zur Welt zu bringen. Bei einer vorzeitig einsetzenden Geburt aber sollen die Mütter mit einem Rettungshubschrauber oder im Krankenwagen mit dem Autozug auf das Festland gebracht werden.

Was allerdings oft vergessen wird, sind die Situationen, in denen die Reise auf das Festland wetterbedingt so einfach nicht möglich ist. So wurde ein Kind auf einem Seenotrettungskreuzer zur Welt gebracht, weil der Rettungshubschrauber nicht kommen konnte. Erinnert wird auch an Geburten auf dem Autozug, im Rettungswagen oder zwischen Tür und Angel zu Hause; viele Mütter auf Sylt haben so etwas bereits erlebt.

Nun hatte der Kreis Nordfriesland einen Hebammen-Notruf geschaffen. So wollte man einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung von Mutter und Kind während des Geburtsvorgangs vorzubeugen. Der Hebammen-Notruf gibt werdenden Müttern auf der Insel die Möglichkeit, eine Hebamme anzufordern, wenn die Geburt sich früher als erwartet ankündigt. So kann die professionelle Begleitung der Mutter auch bei der Geburt auf Sylt sichergestellt werden. Jedoch weist der Kreis Nordfriesland darauf hin, daß der Hebammen-Notruf nicht eingesetzt werden solle, um eine Geburt auf der Insel zu erzwingen. Die „missbräuchliche“ Nutzung des Notrufs könne dazu führen, daß das Angebot eingestellt werden müsse. In dieser Situation ist das jedoch eine ungebührliche Drohung.

Zwar ist seit dem 1. Januar 2022 der Hebammen-Notruf auf Sylt nach Unterbrechung wieder aktiv. Doch die aktuelle Situation hat die Dringlichkeit noch einmal wesetlich verschärft. Denn die Gemeinde rechnet damit, daß auch mehrere schwangere Frauen aus der Ukraine Zuflucht auf Sylt suchen werden.

Die Wohnungssuche für die Hebammen auf Sylt sorgt für Verunsicherung. So sind die Hebammen des Notrufs noch bis zum 1. Mai übergangsweise in einer Ferienwohnung in Westerland unterbracht. Die bisherige Wohnung in Rantum entspricht nicht den aktuellen Corona-Standards.

Nun sieht Sylt der Gefahr ins Auge, daß der Notruf eingestellt wird, sollte sich keine angemessene Wohnung finden. Betrachtet man die prekäre Wohnungssituation nüchtern, dann bieten sich nicht nur für die Hebammen, sondern auch für Servicekräfte aller Couleur kaum echte Möglichkeiten. Wenn sich bis zum 1. Mai keine Lösung findet, gibt es wieder ein Problem.

Abseits von schönen Reden zu den Wahlen muß die Politik gemeinsame Anstrengungen unternehmen, den Menschen, die Not leiden, in sozialer Verantwortung hilfreich zur Seite stehen. Wenn Kinder unsere Zukunft sind, dann muß am Anfang, bei den Geburten, der Start ins Leben umfassend und professionell begleitet werden. Geld ist in die Hand nehmen, um sich angemessen zu kümmern, damit der Start in das neue Leben glückt.