Sprachförderung für Flüchtlinge

Ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich wie der Sprachförderung der Flüchtlinge erleben wir nun eine fast groteske und unwürdige Schlammschlacht zwischen der Volkshochschule (VHS) und dem gemeinnützigen Verein Integrationshilfe Sylt e.V., den die Volkshochschule in einer denkwürdigen –oder bedenklichen? – Sitzung des Sozialausschusses am Montag zu ihren Gunsten gewann.

Konkret ging es um die Anträge auf Landes- und Bundesmitteln für die Sprachförderung von Asylbewerbern, die über die kommunalen Verwaltungen und Ausschüsse vergeben werden. Während der Volkshochschule 30000 Euro zugesagt wurden, ging die Integrationshilfe Sylt komplett leer aus.

Refugees-Welcome-Campac-1024x348_kleinDie Integrationshilfe Sylt hat in Eigenleistung in einem sylter Unternehmen zur Verfügung gestellten Gebäude eine komplette Sprachschule aufgebaut, die vergangenen Montag die Türen öffnete und seitdem ausgesprochen gut angenommen wird. Sie basiert auf den ehrenamtlichen Sprachunterricht, den der Verein in Kleingruppen seit über einem Jahr anbietet.

Parallel bietet die Volkshochschule ebenfalls Deutschkurse an, die sowohl von Asylsuchenden als auch jene ausländische Bürger, die hier schon länger leben und ihre Deutschkenntnisse aufbessern wollen bzw. für die Visums/Aufenthaltserlaubnis benötigen, genützt werden.

Jedem ist klar, dass die teilweise extrem unterschiedlichen Sprachniveaus der Schüler auch unterschiedliche Lernkonzepte voraussetzen. Wir reden hier z.T. von Menschen, die die lateinische Schrift nicht kennen und/oder eine vollständige Alphabetisierung durchlaufen müssen, wie aber jene die mit einem akademischen Bildungsniveau Deutsch als Fremdsprache lernen.

Sollten wir nicht alle daher ein Interesse haben, dass wir hier ein möglichst breites und angepasstes Angebot allen bieten und fördern können?

Indem Verwaltung und Selbstverwaltung der Integrationshilfe Sylt den Zugang zu den genau dafür vorgesehenen Geldmitteln komplett verschlossen haben, wurde hier nicht nur eine einmalige, geradezu exemplarische Chance vergeudet, sowohl den Flüchtlingen wie auch hiesigen fremdsprachigen Arbeitnehmern intensive und gut angepasste Sprachunterrichte anzubieten. Nein, hier wurde stattdessen ein knallhartes Zeichen gegen ein vorbildliches ehrenamtliches Bürgerengagement gesetzt.

Das ist umso empörender, als dass die Selbstverwaltung wie auch der Bürgermeister immer wieder für die Unterstützung von Ehrenamt und Vereinsarbeit ausgesprochen haben und so gut wie nie Förderungsantrage von Vereinen komplett ablehnen. Mit diesem Beschluss wurde de facto versucht, die Sprachförderung auf die Volkshochschule zu monopolisieren – die übrigens in kommunaler Trägerschaft liegt – und ein wirtschaftliches Aus der ehrenamtlichen Sprachschule bewusst in Kauf genommen.

Unserer Fraktion geht es um die Förderung und Integration der Menschen, wobei es unerheblich ist, wer den Unterricht anbietet. Beide Schulen sollten ihre Angebote koordinieren und unterschiedliche, komplementäre Sprachmodule anbieten. Bei derzeit 160 Flüchtlingen und möglicherweise bald noch mehr, zuzüglich der ohnehin vorhandenen Angestellten und Arbeiter aus dem europäischen Ausland wären die Kapazitäten jeder Schule alleine ohnehin überlastet, d.h. Schüler könnten nur an einigen Tagen pro Woche an Kursen teilnehmen. So lernt man aber keine Sprache!

Menschen zu bevormunden halten wir für grundsätzlich falsch – denn auch die Entscheidungsfreiheit ist ein Teil der Integration. Daher schlagen wir vor, dass sich die Betreffenden selbst für das für sie oder ihn beste Angebot entscheiden können und dies pro Person und Tag abgerechnet wird (zwischen 1Euro (Integrationshilfe Sylt) bis 5 Euro/Tag (VHS)).

Das Thema Sprachförderung der Schutzsuchenden und hiesigen ausländischen Arbeitnehmer ist viel zu wichtig, um mit Eigeninteressen, Rivalitäten oder persönlichen Animositäten gute und praktikable Lösungen zu vergeuden. Wir müssen uns nicht wundern, wenn sich die Bürger von gemeinnütziger Arbeit zurückziehen, wenn wir deren Engagement nicht mit mehr Respekt und Anerkennung würdigen und fördern.


Header Grafik: Campact: Stellen Sie sich dem Rassismus entgegen – und unterzeichnen Sie den Appell!

 


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