Energie und Elektromobilität

13.1 Sichere Energieversorgung

Wir wollen eine sichere Energieversorgung. Sicher in Bezug auf die Verfügbarkeit, sicher in Bezug auf
die Gesundheit sowie sicher für unsere Gewässer, das Klima und die Natur. Die Erneuerung der
Energieinfrastruktur gegen den Willen der Bürger halten wir für kontraproduktiv, weil fehlendes
Vertrauen den Ausbau langfristig nur bremsen würde. Die Ausbeutung von Öl-, Kohle- und
Gasvorkommen unter der Erde lehnen wir strikt ab, da die zerstörerischen, klimaschädlichen
Auswirkungen dieser Form der Energiegewinnung inakzeptabel sind. Die Atomenergie begreifen wir
als mahnendes Erbe der Vergangenheit. Eine wirklich nachhaltige Energiewende gelingt aus unserer
Sicht nur gemeinsam mit den Menschen sowie mit Rücksicht auf unsere Gesundheit und die
Artenvielfalt. Dazu brauchen wir allerdings nicht nur die Zustimmung der Menschen für die
Energiewende, wir wollen auch, dass die Bürger sich aktiv an ihrer Umsetzung beteiligen. Etwa,
indem die Bürger in eine Solaranlage oder ein Elektroauto investieren oder sich in
Energiegenossenschaften zusammenschließen.
Die Energiewende begreifen wir als Chance im mehrfachen Sinne. Offensichtlich ist es eine Chance
für die Umwelt, Gesundheit und Lebensqualität. Ebenso für Forschung und Wirtschaft, die langfristig
nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir weiterhin und verstärkt aus den endlichen, schmutzigen
Ressourcen aus-, und in die nicht endlichen, sauberen Ressourcen einsteigen. Dieses sichert und
stärkt den Standort Schleswig-Holstein und schafft wissenschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Als
weiteren, nicht zu vernachlässigen Punkt, ist die Möglichkeit zu sehen, nicht wenige große,
„systemrelevante“ Konzerne für unsere Energieversorgung verantwortlich zu zeichnen, sondern viele
kleine, lokal angesiedelte Versorger von Konzernen über Genossenschaften bis hin zu
Privathaushalten zu beteiligen.

13.2 Windenergie

Die Windenergie ist in Schleswig-Holstein die tragende Säule der Energiewende, denn keine
Naturenergie wird hierzulande so intensiv genutzt wie der Wind. Die Windenergie schafft zudem
Arbeitsplätze und stärkt – insbesondere über Bürgerwindparks – die regionale Wertschöpfung.
Daher befürworten wir ihren Ausbau.
Die Windenergie stößt allerdings zunehmend auch auf Widerstand. Die Menschen fühlen sich von den
Windrädern bedrängt, machen sich Sorgen um ihre Gesundheit (Infraschall), beklagen den
Wertverlust ihrer Häuser und die Schäden in der Natur. So sind Windparks insbesondere eine Gefahr
für Fledermäuse und seltene Vögel wie den roten Milan. Wo Windräder errichtet werden dürfen ist
also keine Frage, die allein von der Politik entschieden werden darf. Wir fordern daher seit jeher, dass
die Menschen ein Mitspracherecht haben. Und zwar nicht nur um betroffenen Bürgern einen Gefallen
zu tun, sondern auch weil wir glauben, dass das Projekt Energiewende ohne die Beteiligung und die
Akzeptanz der Menschen nicht gelingen wird.
Jede Gemeinde soll ja oder nein zu dem Bau von Windkraftanlagen sagen können. Durch
Bürgerentscheid sollen die Bürger auch selbst abstimmen können. Es gibt genügend geeignete
Flächen für Windparks in Schleswig-Holstein, so dass der Wille der Bürger vor Ort berücksichtigt
werden kann. Wir PIRATEN haben im Landtag einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem bei der
Planung neuer Windkraftanlagen ablehnende oder befürwortende Bürgerentscheide oder
Gemeinderatsbeschlüsse verbindlich zu berücksichtigen sein sollen. CDU, SPD, Grüne und SSW
haben diesem Gesetzentwurf nicht zugestimmt – doch wir bleiben bei unserer Forderung.
Außerdem wollen wir, dass alle Genehmigungsanträge für den Bau von Windkraftanlagen samt
Standort und Verfahrensstand fortlaufend im Internet veröffentlicht werden und die Öffentlichkeit
Gelegenheit zur Stellungnahme erhält. Windkraftanlagen dürfen keine gesundheitsschädlichen
Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. Das Land soll Lärmprognosen die aktuellen Empfehlungen
des zuständigen Normierungsgremiums („Interimsverfahren“) zugrunde legen, um der systematischen
Unterschätzung des von hohen Anlagen ausgehenden Lärms ein Ende zu setzen und für
ausreichende Abstände zu sorgen.
Bürgerwindparks sollten aus unserer Sicht Vorrang vor Projekten der Industrie haben. Es sollten zu
aller erst diejenigen von den Vorteilen profitieren, in deren Nachbarschaft die Windräder stehen. Nur
so bleibt die Windenergie eine faire Energie.

13.3 Solarenergie

Die Solarenergie ist derzeit zwar noch etwas teurer als die Windenergie, verursacht allerdings weitaus
weniger Probleme. Durch die Montage auf bislang noch ungenutzten Dächern werden keine
zusätzlichen Flächen benötigt und es entstehen auch keine lärmerzeugenden Schwingungen.
Solaranlagen sind relativ unauffällig und somit insgesamt wenig störend. Zudem gefährden sie weder
Fledermäuse noch Vögel. Damit ist die Solarenergie als die friedlichste Form der Erneuerbaren
Energien anzusehen.
Seit der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) hat die Solarenergie allerdings einen
schweren Stand. Größere Solarparks werden seither kaum noch errichtet und viele Solarfirmen
mussten inzwischen Konkurs anmelden. Wir setzen daher darauf, der Solarenergie als
„Bürgerkraftwerk“ für Zuhause einen neuen Schub zu verleihen. Auch Energiegenossenschaften
sowie Immobiliengesellschaften, die Mehrfamilienhäuser und Bürogebäude vermieten, sollten aus
unserer Sicht in die Solarenergie investieren. Das entspricht auch unserer Vorstellung, die
Energieversorgung weiter zu dezentralisieren. Anstatt die Energieversorgung einigen wenigen
Großkonzernen zu überlassen, wollen wir die Energieversorgung auf möglichst viele Bürger-
Energiewirte verteilen.
Um die Selbstversorgung der Bürger und der Unternehmen zu unterstützen, wollen wir bürokratische
Hürden abbauen, das Informationsangebot für die Bürger verbessern und ein Landesförderprogramm
auflegen, das auch soziale Gesichtspunkte berücksichtigt.

13.4 Bioenergie

Der Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen hat der Landwirtschaft eine neue Einnahmequelle
eröffnet. Allerdings führt die Bioenergie zur viel gescholtenen Vermaisung der Landschaft.
Großflächige Monokulturen bedrohen zunehmend die Artenvielfalt in Schleswig- Holstein. Außerdem
verstärken Energiepflanzen die Konkurrenz um die vorhandenen Anbauflächen (Teller-Tank-
Diskussion). Stetig steigende Bodenpreise sind die Folge. Durch die wachsende Nachfrage nach
Holzschnitzeln für Pellet-Heizungen erhöht sich zudem der Druck auf die Wälder.
Da die Bioenergie Engpässe bei Sonne und Wind ausgleichen kann (Regelenergie), wollen wir bereits
bestehende Biogasanlagen erhalten (Bestandsschutz). Den weiteren Ausbau lehnen wir aufgrund der
damit verbundenen Nachteile allerdings ab. Die Belastung der Gewässer durch Gärreste aus
Biogasanlagen wollen wir entschieden verringern.
Die derzeit mit der Bioenergie verbundenen Probleme halten wir für lösbar, sofern statt Ackerpflanzen
etwa Algen eingesetzt werden. Die Suche nach geeigneten, ertragreichen Algenstämmen wollen wir
durch eine Förderung der Forschung unterstützen. Den Einsatz von Biosprit (E10) lehnen wir aufgrund
der damit verbundenen Probleme wie etwa der Konkurrenz um Anbauflächen weiterhin ab.
Stattdessen setzen wir auf die Förderung der Elektromobilität.

13.5 Netzausbau und Energiespeicherung

Da Wind und Sonne nicht rund um die Uhr beziehungsweise in schwankendem Ausmaß zur
Verfügung stehen, müssen wir die Energie zunehmend innerhalb von Zeit und Raum verschieben.
Das geht über neue Stromleitungen (Verlagerung im Raum) und durch zuschaltbare Lasten wie
Energiespeicher, Wärmeerzeugung, Wasserstoffproduktion oder Kühlung (Verlagerung in der Zeit).
Da an windigen Tagen viele Windräder abgeschaltet werden um die Netze nicht zu überlasten, sehen
wir im Ausbau der Netze sowie der zuschaltbaren Lasten den derzeit dringlichsten, nächsten Schritt
der Energiewende.
Der Netzausbau missfällt vielen Menschen allerdings ebenso wie der Ausbau der Windenergie. Kaum
eine Gemeinde will akzeptieren, dass in unmittelbarer Nähe ihrer Siedlungen neue Strommasten
errichtet werden.
Wir fordern daher weiterhin, dass neue Leitungen nur unter der Erde und mit großzügigem
Sicherheitsabstand zu Wohnhäusern verlegt werden. Zur Vorbeugung von Gesundheitsschäden (z.B.
Leukämie bei Kindern) ist dafür Sorge zu tragen, dass der maximale Effektivwert der magnetischen
Flussdichte in bewohnten Gebäuden einen Wert von 1 Mikrotesla nicht überschreitet. In der Schweiz
gilt dieser Grenzwert bereits heute.
Ferner fordern wir ein verteiltes Netz, an das nach und nach mehr Energiespeicher angeschlossen
werden können. Dies wird die Netzinfrastruktur zusehends entlasten, da die Energie dann nicht mehr
von wenigen Knotenpunkten aus verteilt werden muss, sondern flächendeckend abrufbar ist und hohe
lokale Lasten somit vor Ort gepuffert werden können.
Bei den Energiespeichern setzen wir zudem darauf, dass die Preise weiterhin deutlich fallen, so dass
die Investition in einen Speicher – auch für Privathaushalte – schon in wenigen Jahren erschwinglich
sein wird. Bis es soweit ist, wollen wir einzelne Pilotprojekte fördern, im Rahmen derer sowohl die
Praxistauglichkeit als auch die Konkurrenzfähigkeit moderner Energiespeicher erprobt werden soll.

13.6 Elektromobilität

Die Elektromobilität ist der Bereich der Energiewende, von dem wir uns in den nächsten Jahren die
stärksten Impulse erwarten. Autofahren ist ein emotionales Thema und kann der Begeisterung für die
Energiewende – nach Jahren der Ernüchterung – daher einen neuen Schub verleihen.
Sehr viele Fahrer von Elektroautos können sich schon heute nicht mehr vorstellen, zu einem Benziner
zurück zu wechseln. Wir sind uns daher sicher: Sobald sich die Vorzüge der Elektromobilität erst
einmal herumgesprochen und in den Köpfen verfestigt haben, werden auch die Verkaufszahlen bei
den E-Mobilen deutlich anziehen.
Praktischerweise lässt sich das „Tanken“ dann vor Ort erledigen, was einige Halter von E-Mobilen
auch dazu anregen dürfte, über ein Solardach sowie einen eigenen Energiespeicher nachzudenken.
Spätestens in diesem Moment dürfte die Energiewende 2.0 voll anspringen. Was den Wechsel zum EAuto
derzeit noch bremst, sind aus unserer Sicht weniger die noch etwas höheren
Anschaffungskosten, als vielmehr die fehlenden „Tankstellen“.
Wir wollen daher das Landesprogramm „5.000 Ladesäulen für Schleswig-Holstein“ auflegen.
Ladestationen dürfen dabei kein Privileg von Eigenheimbesitzern sein, sie müssen flächendeckend
jedermann zur Verfügung stehen.
Ferner fordern wir ein Kooperationsprogramm aus Wissenschaft, Lehre, Wirtschaft sowie den
regionalen Verkehrsträgern zum Bau und der Inbetriebnahme von Elektrobussen „Made in Schleswig-
Holstein“. Damit wollen wir insbesondere die Feinstaub- und Lärmbelastung in unseren Städten
verringern und damit die Lebensqualität für alle insgesamt verbessern.

13.7 Schiffsverkehr

Große Frachtschiffe, Kreuzfahrer und Fähren stoßen immense Mengen an Abgasen aus. Damit
belasten sie nicht nur das Klima, in unseren Hafenstädten haben sie damit auch einen
entscheidenden Einfluss auf die Qualität der Luft, die wir alle atmen.
Wir wollen uns daher verstärkt für die Versorgung der Schiffe mit Landstrom oder LNG (liquefied
natural gas)-Bargen, sowie für saubere Schiffsantriebe einsetzen. Neben der ohnehin schon
eingeführten Entschwefelung der Schiffskraftstoffe setzen wir dabei auch auf völlig neue
Antriebstechnologien. Im U-Bootbau wird in Schleswig-Holstein bereits eine Brennstoffzellentechnik
auf Kiel gelegt, die weltweit ihresgleichen sucht. Diese herausragende Technik wollen wir auch für den
zivilen Schiffbau nutzbar machen. Dazu wollen wir bei der EU Mittel für ein europäisches Pilotprojekt
einwerben. Denn erst wenn die Brennstoffzellen-Technik in einer Fähre oder einem Kreuzfahrer
eingesetzt wird, kann der Markt wirklich beurteilen, ob ein großflächiger Einsatz der Technik
wirtschaftlich ist oder nicht.

13.8 Smart Cities, Smart Grid, Smart Home und Smart Metering

Im Zuge der von uns befürworteten Dezentralisierung der erneuerbaren Energieversorgung wird die
„intelligente“ Vernetzung aller Produzenten, Verbraucher und Speicher immer wichtiger. Das heißt,
dass wir ein „Internet der Energie“ entwickeln müssen, in dem alle Anschlüsse fortlaufend miteinander
kommunizieren, um Daten auszutauschen.
Während US amerikanische Unternehmen das Internet klar dominieren, ist das Rennen um das
„Internet der Energie“ noch nicht entschieden. Durch unsere Vorreiterrolle bei der Energiewende
haben wir hier gute Chancen, verlorenen Boden wieder gut zu machen. Dies gilt für Schleswig
Holstein insbesondere deshalb, weil wir es in der Vergangenheit nicht rechtzeitig geschafft haben, aus
der Produktion von Windenergie- oder Solaranlagen eine solide Wertschöpfung zu generieren. Da das
„Internet der Energie“ noch am Anfang steht, haben derzeit auch kleine und mittelständische Betriebe
noch die Chance, hier mitzuwirken und zu wachsen.
Wir werden uns daher dafür stark machen, dass Schleswig-Holstein die Gelegenheit dieses Mal von
vorneherein entschieden und selbstbewusst nutzt.
Gleichzeitig wollen wir die Privatsphäre von Anfang an besser schützen als dies beim Internet derzeit
der Fall ist. Datenschutzfeindliche Fehlentwicklungen können wir verhindern, wenn wir dem
amerikanischen Modell ein eigenes Modell entgegensetzen. Ein Modell, das auf Freiheit, Offenheit
und Selbstbestimmung beruht und an dem alle Teilnehmer gleichermaßen mitwirken können. Dies
wollen wir über die Förderung offener Standards und Systemen wie etwa openHAB sowie
diskriminierungsfreie Schnittstellen erreichen.
Damit Stromversorger sowie Netz- und Messstellenbetreiber keine Rückschlüsse auf das
Nutzungsverhalten von Privatpersonen ziehen können, wollen wir die Wohneinheiten eines Quartiers
als Energieeinheit zusammenfassen, wobei ein Quartiersknotenpunkt als Tarifzähler fungiert. In
diesem Knoten wird der monatliche Gesamtverbrauch der einzelnen Wohneinheiten gespeichert, ohne
dass dabei der genaue Zeitpunkt des Verbrauchs protokolliert wird. Der Messstellenbetreiber kann
somit genaue Rechnungen erstellen, ohne damit eine Möglichkeit zu erhalten, das
Verbraucherverhalten detailliert zu überwachen.

13.9 Atomenergie

Die Atomenergie ist ein Abenteuer, das niemals hätte begonnen werden dürfen. Aller Voraussicht
nach wird sie am Ende zur teuersten Energieform gehören, die der Mensch jemals genutzt hat. Die
Sicherung des strahlenden Erbes wird noch hunderte von Generationen beschäftigen und ungeahnte
Summen verschlingen.
Wir fordern daher den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Bis zur Errichtung eines Endlagers in
ferner Zukunft muss der Atommüll gemäß dem zwischen Bund und Ländern geschlossenen
Atomkonsens in mehreren Bundesländer so sicher wie möglich zwischengelagert werden.
Die Bestimmung eines geeigneten Endlagers muss aus unserer Sicht nachvollziehbar, transparent
sowie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierend erfolgen. Aufgrund der schlimmen Erfahrungen
mit älteren Atomlagern wie der niedersächsischen Asse ist die Möglichkeit der Rückholbarkeit des
Atommülls für uns zwingend. Mit keiner Energieform verbinden sich aufgrund der unkalkulierbaren
Risiken so große Sorgen und Ängste wie mit der Atomenergie. Der Rückbau der alten Atommeiler in
Schleswig-Holstein muss daher unter fortlaufender Aufsicht der Öffentlichkeit erfolgen. Das heißt, die
Strahlenbelastung und der Verbleib des Abraums müssen genau dokumentiert und öffentlich bekannt
gemacht werden.

13.10 Kohle, Erdöl, Gas und Fracking

Der Klimawandel führt uns klar vor Augen, dass Kohle und Öl schon heute Energieträger der
Vergangenheit sind. Die mit der Gewinnung und dem Verbrauch verbundenen Probleme sind so
gravierend, dass wir den schnellstmöglichen Ausstieg fordern. Denn das Verfeuern von Kohle ist nicht
nur klimawirksam, es werden auch große Mengen radioaktiven Radons, giftigen Quecksilbers sowie
Feinstaub freigesetzt, die unsere Gesundheit sowie die Umwelt stark belasten. Zudem führt der Abbau
von Kohle in den Abbaugebieten zu gesellschaftlichen Konflikten.
Zwar wird bei uns in Schleswig-Holstein keine Kohle gefördert, wie konfliktbeladen die Gewinnung
fossiler Energieträger ist, erleben wir allerdings beim Erdöl und auch beim Erdgas. Viele Schleswig-
Holsteiner wehren sich dagegen, dass Energieunternehmen in ihrer Region nach Erdöl und Erdgas
suchen. Die drohenden Konsequenzen reichen von Gesundheitsbelastungen durch verunreinigtes
Trinkwasser über Umweltschäden bis hin zum Wertverlust der Grundstücke. Zudem werden die
Gewinnung gesunder Nahrungsmittel und auch Arbeitsplätze im Tourismus gefährdet. Außerdem lässt
die Ölförderung auf See eine Verseuchung unserer Meere durch Ölkatastrophen befürchten.
Dementsprechend können wir auch dem Umwelt- und Energiewendeminister nicht folgen, der sagt,
dass wir – solange wir mit Öl unseren Verkehr am Laufen halten – uns nicht allein auf Ölimporte aus
Ländern wie etwa Nigeria beschränken können. Richtig daran ist, dass wir Umweltbelastungen nicht
einfach verlagern dürfen. Richtig ist aber auch, dass wir die Klima- und Umweltprobleme nicht im
Ausland, sondern in erster Linie nur bei uns selbst lösen können. Zudem werden Länder wie Nigeria
ihre Ölförderung nicht drosseln, nur weil wir in Schleswig-Holstein neue Quellen erschließen.
Um die ohnehin schon kritischen Klimaziele von Paris überhaupt einhalten zu können, müssen zwei
Drittel der weltweit bekannten Reserven im Boden verbleiben. Und das bedeutet: Keine Förderung
von Öl und Gas in Schleswig-Holstein! Dafür wollen und werden wir auch weiterhin mit aller Kraft
kämpfen.
Fracking, also das gewaltsame Aufbrechen des Untergrunds zur Öl- oder Gasförderung, ist mit
besonders unüberschaubaren Risiken für Mensch und Umwelt – insbesondere für Wasser, Boden und
Eigentum verbunden. Dabei fällt so gut wie immer hochgiftiges, radioaktives Lagerstättenwasser an,
welches eine erhebliche Altlast darstellt und dessen sicherer Verbleib derzeit ungeklärt ist. Fracking ist
damit nicht nur gefährlich, es führt auch zu Konflikten und ist damit ein erheblicher Unruhestifter.
Deshalb wollen wir das Landeswassergesetz verschärfen und Fracking in ganz Schleswig-Holstein
verbieten.
Das betriebliche Gefahrenpotenzial von Ölförderung und Fracking muss offengelegt werden. Bisher
halten Umweltministerium und Bergamt die Pläne von Erdölkonzernen vielfach zurück, um „Betriebsund
Geschäftsgeheimnisse“ der Unternehmen zu schützen. Das öffentliche Interesse an sauberen
Lebensgrundlagen muss in jedem Fall Vorrang vor Unternehmensinteressen erhalten. Dazu wollen wir
das Landesverwaltungsgesetz ändern.
Ein weiteres von uns aufgedecktes Problem, das wir beheben wollen, sind Bohrschlammgruben, in die
Bergbauunternehmen zu früheren Zeiten giftigen Bohrschlamm versenkt haben. Die Standorte dieser
Gruben sind heute vielfach nicht mehr bekannt. Wir haben deshalb die Landesregierung aufgefordert,
alle alten Gruben ausfindig zu machen und die Standorte zu veröffentlichen. Darüber hinaus fordern
wir, dass alle alten Bohrschlammgruben auf Kosten der früheren Betreiberfirmen saniert werden. Was
nicht passieren darf ist, dass die Landwirte in unserem Land auf den giftigen Altlasten sitzen bleiben.

13.11 Wärmeenergie und Energiesparen

Da die beste Kilowattstunde jene ist, die wir gar nicht erst benötigen, bleibt das Energiesparen auch
weiterhin ein zentrales Thema der Energiewende. Am größten ist das Potential hierbei im Bereich der
Heizenergie. Da insbesondere das nachträgliche Dämmen von Altbauten ein umstrittenes, nicht ganz
einfaches Thema ist, wollen wir hierzu den Dialog „Wärmeenergie besser nutzen“ initiieren.
Im Rahmen dessen gilt es zu klären, wie zukünftig der Denkmalschutz gewährleistet werden soll und
welche Dämmstoffe und Anstriche eine negative Umweltbilanz aufweisen und deshalb nicht länger
gefördert oder ggf. sogar vollständig verboten werden sollten. Demgegenüber sind für Dämmstoffe
und Farben mit positiver Energie- und Umweltbilanz öffentliche Empfehlungen – etwa über
entsprechende Qualitätssiegel – auszusprechen. Ein qualifiziertes Fachwissen um die einzelnen
Baustoffe sollte von allen Händlern und verarbeitenden Betrieben nachgewiesen werden können.
Ferner wollen wir prüfen, in wieweit mit Hilfe der Solarenergie als Heizunterstützung ggf. bessere
Ergebnisse erzielt werden als mit einer reinen Wärmedämmung.
Im Bereich der Haustechnik wollen wir die Energieeffizienz durch den Einsatz intelligenter IT-Systeme
weiter verbessern. Auch den Forschungsbereich „Power to Gas“ sowie Warmwasserspeicher wollen
wir weiter unterstützen, um temporäre Energieüberschüsse bei der Windenergie sinnvoll nutzen zu
können.
Im Verkehrswesen wollen wir mehr Energie einsparen, indem wir den öffentlichen Nahverkehr
ausbauen und den Fahrradverkehr fördern. Im Bereich der Haushaltsgerätetechnik und Elektronik
wünschen wir uns eine Kennzeichnung aus der hervorgeht, wie viel Energie bei der Herstellung eines
Gerätes verbraucht wurde und welcher Klimagasemission dies entspricht. Dies wird sich zwar am
ehesten über die EU-Ebene erreichen lassen, allerdings können wir auch von der Landesebene aus
entsprechende Vorschläge erarbeiten und nach Brüssel melden. Die Verbraucherzentrale wollen wir
mit den nötigen Mitteln ausstatten, um den Bürgern auch weiterhin eine fachgerechte Energieberatung
anbieten zu können.

13.12 Klimawandel

Die globale Erwärmung ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Neben der Versteppung
fruchtbarer Böden, dem Anstiegs des Meeresspiegels, dem Kampf um Trinkwasser und den dadurch
zu erwartenden Klimaflüchtlingen lauert eine weitere Gefahr in der Versauerung der Ozeane.
Fische können auf die Erwärmung relativ einfach reagieren, indem sie in kühlere Gefilde nach Norden
hin abwandern. Auf Kalk angewiesene Organismen wie Muscheln und Korallen haben da weitaus
größere Probleme. Durch die vom Kohlendioxid ausgelöste Versauerung der Meere wird ihnen die
Lebensgrundlage entzogen. Diese Organismen bilden in vielen Ozeanen die Grundlage des Lebens.
Die von ihnen geschaffenen Riffe sind der Lebensraum für zehntausende anderer Arten. Der
Klimawandel könnte daher schlimmstenfalls zu einem Massenaussterben in den Ozeanen führen. Das
biologische Gleichgewicht könnte aus den Fugen geraten und die Ernährung der Menschheit wäre –
neben der Versteppung auf dem Land – einer weiteren, sehr ernsten Gefahr ausgesetzt.
Die Einhaltung der internationalen Klimaschutzziele von Paris wollen wir daher mit oberster Priorität
verfolgen. Neben der konsequenten Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas, dem
parallelen Ausbau der Erneuerbaren Energien, Energieeinsparungen sowie der Elektrifizierung des
Verkehrs setzen wir vor allem auf die deutliche Reduktion von Klimagasemissionen in der
Landwirtschaft. Hinsichtlich der Erwärmung gilt es hier insbesondere das gegenüber dem
Kohlendioxid 300-mal so klimaschädlichere Distickstoffmonoxid (Lachgas) sowie das rund 25-mal so
schädliche Methan deutlich zu reduzieren. Immerhin stammen über 50% der gesamten Methan- und
sogar fast 80% der Lachgas-Emissionen aus der Agrarwirtschaft.
Dies wollen wir über veränderte Anbau- und Düngemethoden, Umstellungen in der Viehhaltung und
Fütterung sowie eine verbesserte Abwasser- und Klärschlammbehandlung erreichen. Das Wissen um
die Reduktion dieser Gase wollen wir gemeinsam mit internationalen Partnern weiter erforschen und
im Sinne des Open-Source-Prinzips allen Menschen frei zugänglich machen. Schließlich sitzen wir
alle im selben Boot.

13.13 Kosten und Nutzen der Energiewende

Hinsichtlich der Kosten für die Energiewende sind wir der Meinung, dass die Politik den Menschen
reinen Wein einschenken muss. Deshalb sagen wir ganz offen, dass die Energiekosten im Zuge der
Energiewende noch einige Jahre weiter steigen werden. Es ist allerdings abzusehen, dass der
Maximalkostenpunkt bald erreicht sein wird. Nach einer Preisstabilisierung ist dann im Zuge der
technologischen Entwicklung sogar mit fallenden Energiepreisen zu rechnen.
Demgegenüber stehen die so genannten externen Kosten der Atomenergie sowie der fossilen
Energien wie Kohle und Öl. Diese externen Kosten tauchen zwar nicht auf unserer Energierechnung
auf, sie sind aber von uns allen (sowie zukünftigen Generationen) zu tragen. So belasten Kohle und
Öl nicht nur unser Klima, durch Feinstaub-, Radon- und Quecksilberemissionen werden auch unsere
Gesundheit, die Gewässer und unsere Umwelt stark beeinträchtigt.
Nach dem Debakel mit der Atomenergie und den immensen Folgekosten halten wir es für unzumutbar
länger auf Pump zu leben und nachfolgenden Generationen die Folgen unseres Handelns in die
Schuhe zu schieben. Die Energiewende kostet zwar Geld, die Nicht-Energiewende ist aber noch sehr
viel teurer. Wir fordern daher weiterhin eine transparente Stromrechnung, auf der alle Kosten der
Energiebereitstellung aufgeführt werden. Wie preisgünstig die Energiewende eigentlich ist, wird
nämlich erst dann deutlich, wenn auch die versteckten Kosten der schmutzigen Energieträger sichtbar
werden.
Derzeit wird durch den Aufschlag der EEG-Umlage und deren Ausweisung auf der Stromrechnung ein
falsches Bild erzeugt. Die Subventionen in Kohle und Atomenergie sowie die immensen Folgekosten
werden auf der Stromrechnung weder berücksichtigt noch ausgewiesen, als versteckte Kosten
allerdings von uns allen getragen. Damit wird dem öffentlichen Eindruck Vorschub geleistet, dass
allein die Energiewende Kosten verursacht. Das ist nicht nur falsch, es ist auch äußerst ungerecht.
Endliche Ressourcen werden zwangsläufig immer teurer. Wir wollen daher jetzt investieren, um
künftig davon zu profitieren und so den steigenden Energiekosten schon bald ein für alle Mal eine
Ende zu setzen.