Fahrscheinloser Nahverkehr – Konzept für den Verkehr der Zukunft

Fahrscheinloser Nahverkehr in Schleswig-Holstein

Nahverkehr für alle, ohne Fahrschein!

Aktuell wird über den Vorschlag des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt diskutiert, Fahrkarten aus Papier für Bus und Bahn abzuschaffen – ein Schritt in Richtung fahrscheinloser Nahverkehr ? Leider nein. Stattdessen soll es ein bundesweit einheitliches, elektronisches Fahrkartensystem geben. Einfach gesagt soll also jeder mithilfe einer Chipkarte oder seinem Handy jederzeit Tickets für jegliche Verbindung kaufen können. Also beispielsweise ein Ticket für  den ICE nach München und den Münchener Nahverkehr in Hamburg über dasselbe System, mit dem man auch Fahrkarten für Berlin kaufen kann.

Aktuell gibt es pro Bundesland, teilweise sogar pro Kreis oder Gemeinde ein eigenes System. Und diese Systeme reden natürlich meist nicht miteinander, sonst könnte man als Fahrgast ja noch herausfinden, ob man den Anschluss verpasst oder nicht. Außerdem muss man sich aktuell 10 Benutzerkonten statt nur einem zentralen Konto für den Fahrkartenkauf anlegen. Das soll in Zukunft anders, nämlich kundenfreundlicher werden.

 

Wo ist das Problem?

Das zeigt ein Blick zum Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Dieser hat zugeben müssen, dass seine elektronische Fahrkarte Bewegungsprofile speichert und diese sogar leicht mit einem Handy auswertbar sind. Obwohl immer behauptet wurde, dass genau dies nicht tun passiert. Es war für die Verkehrsbetriebe in diesem Verbund also nachvollziehbar, wer wann in welchen Bus gestiegen ist. Mithilfe der eigenen Fahrkarte hätte also der eifersüchtige Partner, der Chef oder jemand anderes erfahren können, wo ich mich wann aufgehalten habe.

Ganz abgesehen davon, dass die Verbindung der bereits existierenden Systeme in den Verkehrsverbünden viel Geld und Zeit kosten würde. Geld welches nicht ausgegeben werden muss.

 

Wie lässt sich das Problem lösen?

Fahrscheinloser Nahverkehr könnte die Lösung sein. Diesen fordern wir bereits in unserem Wahlprogramm aus dem Jahr 2012 und auch in unserem neuen Programm zur Landtagswahl 2017. Jetzt haben auch die Grünen passend zum Wahlkampf gemerkt, dass sie dieses Thema gut finden. Sie fordern eine Abgabe von 99€ pro Person und Jahr. Dafür kann dann jeder Schleswig-Holsteiner jederzeit in Bus oder Bahn mitfahren, ganz ohne Ticket. Damit entstehen auch keine Daten mehr zu meinen Fahrten mit dem Nahverkehr. Außerdem sollen das Schienennetz und die Frequenz von Busfahrten ausgebaut werden.

 

Schon wieder eine neue Zwangsabgabe? Was soll das?

56% der Bürger würden einen steuerfinanzierten und fahrscheinlos nutzbaren öffentlichen Personennahverkehr bevorzugen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts YouGov. Sogar von den Bürgern, die keine regelmäßigen Bus- und Bahnfahrer sind, befürwortete die Mehrheit einen fahrscheinlosen Nahverkehr.

Wir setzen uns für einen fahrscheinlosen Nahverkehr ein, da Mobilität kein Luxus ist, sondern eine Notwendigkeit – für Jedermann. Ob junge Menschen am kulturellen Leben teilnehmen wollen oder ältere Menschen zum Arzt oder zum Supermarkt gelangen möchten – auf dem Land bleibt man zunehmend auf der Strecke. Wer auf dem Dorf aufgewachsen ist, weiß wie abgeschnitten man von der Außenwelt vielerorts ist. Dies gilt auch für Städte mit ihrem Umland. Außerdem gibt es seit Jahren eine negative Spirale aus schlechteren Verbindungen und immer höheren Preisen. Diese wollen wir so durchbrechen. Dazu löst sich damit auch das Problem der Kosten für die Schülerbeförderung.

Ganz nebenbei ist die Verringerung des Autoverkehrs ein Beitrag zum Umweltschutz. Weniger Abgas und Lärm vor allem in den Zentren unseres Landes bedeuten mehr Lebensqualität für Bewohner und Gäste. Jedes Jahr stellen wir mehr und mehr Verkehr auf unseren Straßen fest, womit auch vor allem unseren Zentren überlastet sind. Jeder weitere Fahrgast eines Busses oder einer Bahn bedeutet ein Auto weniger auf der Straße. In Verbindung mit einem attraktiven Angebot für Radfahrer und sinnvollen Verknüpfungen zwischen Auto- und Personennahverkehr kann ein effektives Verkehrsnetz der Zukunft entstehen.

 

Wie teuer wird es?

Mit Hilfe von drei großen Feldversuchen wollen wir feststellen, ob sich ein fahrscheinloser, gemeinschaftlich finanzierter ÖPNV auch konkret umsetzen lässt. Diese Untersuchungen sollen jeweils in einem Oberzentrum, einem Mittelzentrum und einer Region des ländlichen Raumes in Schleswig-Holstein wissenschaftlich begleitet durchgeführt werden. Denn bisher wurde der fahrscheinlose Nahverkehr nur in Städten, aber nicht in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein erprobt. Daher halten wir Zahlenspiele für unseriös und machen da nicht mit. Stattdessen sollten die Grünen unseren Modellversuch im Landtag nicht länger blockieren, sondern ihn endlich auf den Weg bringen. Die Grünen als regierungstragende Fraktion könnten dieses Vorhaben schon heute problemlos auf den Weg bringen, wenn sie es wirklich wollten.